Er ist bereits eine Legende der neueren Kirchenmusik

Peter Planyavsky zu Gast in Lustenau. Foto: Jurmann

Peter Planyavsky zu Gast in Lustenau. Foto: Jurmann

Julia Rüf und Helmut Binder feierten Peter Planyavskys 70. Geburtstag.

LUSTENAU. (JU) Schön, wenn eine Lehrer-Schüler-Verbindung so lange nachwirkt, dass daraus viele Jahre später noch ein tolles Chor- und Orgelfest für eine ganze Gemeinde werden kann. Die Dornbirnerin Julia Rüf (34) und der Bregenzer Helmut Binder (56), beides namhafte Vorarlberger Kirchenmusiker, bereiteten am Sonntag in der Kirche St. Peter und Paul ihrem einstigen Orgellehrer, dem langjährigen Wiener Domorganisten und Komponisten Peter Planyavsky, eine Feier zu seinem 70. Geburtstag, zu deren Gelingen er selbst wesentlich beigetrug. Zu dieser Hommage aufgeboten sind zwei leistungsstarke, je 30-köpfige Lustenauer Chöre, das von Julia Rüf geleitete „Collegium Vocale“ und ein Teil des Kirchenchores St. Peter und Paul, den der dortige Chorleiter Helmut Binder auf seine Aufgabe in zwei doppelchörigen Motetten perfekt vorbereitet hat. Das ergibt ein stimmkräftiges, gut aufeinander abgestimmtes Ganzes mit imposanten, doch nie überbordenden Klangwirkungen im akustisch idealen Kirchenraum. Doch auch das „Collegium Vocale“ allein kann für den Hauptteil des Programms qualitativ durchaus bestehen, es hat sich in den vergangenen fünf Jahren unter der Leitung von Julia Rüf einen beachtlichen Level an Klangschönheit und Sicherheit erarbeitet. Die Männer wirken in den Solopassagen allerdings nicht so überzeugend wie die Frauenstimmen.

Kultige Improvisation

Das Programm wird eingerahmt von Werken anglikanischer Chormusik aus der englischen Spätromantik bis herauf zur Neuzeit mit ihrer typisch kargen Tonsprache und den tief im Glauben verwurzelten Textausdeutungen. Den darin enthaltenen Solopartien sowie Sololiedern gibt die Koblacher Sopranistin Angelika Kopf-Lebar hell, mit klarer Artikulation und geschmeidigem Timbre ihr Profil. Im Zentrum aber steht eine imposante Auswahl von Chorwerken des Jubilars Peter Planyavsky, der sich dabei mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit als Dirigent und im mitgestaltend konzertanten Orgelpart mit der Gesamtleiterin Julia Rüf abwechselt. Der Rahmen ist ideal gewählt, denn auch Planyavsky baut in seiner praxisorientiert geschärften Tonsprache eines neuen Kirchenmusikstils auf den englischen Vorbildern auf und führt sie in unsere Zeit. Natürlich ist er mit seinem gesunden Ur-Musikantentum auch im Sakralbereich dabei weit zeitgeistiger, origineller, frecher und weiß sich darin längst auch eines Sinnes mit dem Kirchenvolk. Wenn er etwa rhythmische Klassiker des Neuen Geistlichen Liedes aus dem „David“-Gesangsbuch wie „Ja freuet euch im Herrn“ in packend schräge Chorarrangements kleidet oder den alten Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ an der Orgel mit gewagten Umspielungen konterkariert, ohne dass der Chor dabei aus der Fassung gerät, bleibt kein Auge trocken. Und da darf auch eine seiner kultigen Orgel-Improvisationen nicht fehlen, hier über das österliche „Christus ist erstanden“, das er nicht in wuchtigen Klangkaskaden, sondern meditativ beschaulich in den Raum setzt.

Peter Planyavsky ist bereits eine Legende der neueren österreichischen Kirchenmusik. Und es ist berührend zu erleben, wie seine Saat auch als Pädagoge aufgegangen ist und ihm seine einstigen Schüler heute auf Augenhöhe und in Verehrung als Partner begegnen.

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