Hohe Schule für Streicher und Förderer junger Musiker

Hansjörg Gruber leitet schon seit einigen Jahren das Orchester der Bregenzer Musikfreunde. Foto: Jurmann

Hansjörg Gruber leitet schon seit einigen Jahren das Orchester der Bregenzer Musikfreunde. Foto: Jurmann

Die Bregenzer Musikfreunde blicken nach 110 Jahren hoffnungsfroh nach vorne.

BREGENZ. (JU) „Liebhaber-Orchester“ hat man solche Klangkörper vor noch nicht allzu langer Zeit genannt, ohne den etwas seltsamen Doppelsinn zu hinterfragen. Doch für die Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz, die am Samstag mit einem Festkonzert am Kornmarkt ihr 110-jähriges Bestehen feiert, sind diese Zeiten längst vorbei. Mit der respektablen Zahl von 45 Streichern deutlich verjüngt, seit 2002 musikalisch beim ehemaligen Konservatoriumsdirektor Hansjörg Gruber in besten Händen und seit 2009 professionell gemanagt von der auch als Cellistin tätigen Bregenzer Rechtsanwältin Anita Einsle als Obfrau, ist man heute gut für die Zukunft gerüstet.

Bewährte Marke

Und so ist aus dem einstigen „Liebhaber-Orchester“ längst so etwas wie das Bregenzer Stadtorchester geworden, auch wenn man noch am tradierten Namen als bewährter Marke festhält. Es ist eine große Schule für Amateurstreicher fast jeden Alters. Musikschüler erhalten in dieser Gemeinschaft wertvolle erste Orchestererfahrungen, für die Älteren sind die zehn Proben und die beiden Konzerte pro Jahr oft ein willkommener Zeitvertreib.

Hansjörg Gruber präzisiert im VN-Gespräch: „Es sind nicht wirklich Laien, die Orchestermitglieder sind alle sehr talentiert und motiviert und verstehen natürlich etwas von Musik, nur üben sie sie nicht beruflich aus. Und wenn sie ein Konzert hören, haben sie ein weit intensiveres Erlebnis als andere, die nicht aktiv musizieren, weil man sich im Orchester als Teil eines großen Ganzen begreift.“

Auch Kirill Petrenko

Die Gründung des Vereins erfolgte 1907, damit man fahrenden Schauspieler- und Sängertruppen hier für geplante Opernaufführungen ein Orchester anbieten konnte. Das war die Initialzündung für die „Musikfreunde“, um über private Musikzirkel hinaus auch das damals sehr spärliche Angebot an klassischer Musik in der Region zu beleben.

Noch in den Fünfzigerjahren erfüllten sie die Aufgabe eines städtischen Konzertveranstalters mit bis zu zehn Solisten- und Kammerkonzerten jährlich und leiteten verantwortlich die Bregenzer Musikschule. Bei ihren eigenen Konzerten wurde zwischen 1955 und 1988 der Dirigent und Komponist Wilhelm Stärk zur prägenden Persönlichkeit, an den mit seinem bis heute populären „Spanischen Tanz“ im Jubiläumsprogramm erinnert wird. Daneben stand auch der heutige Topdirigent Kirill Petrenko am Pult.

Auch im Amateurbereich gilt das Wort „Ohne Göld ka Musi!“. Anita Einsle: „Die Stadt Bregenz unterstützt uns. Daneben sind wir in den letzten Jahren aber immer mehr auf Sponsoren angewiesen, auch wenn keines unserer Mitglieder für Konzertauftritte ein Honorar erhält.“ Die „Musikfreunde“ lassen sich auch von der inzwischen aufgetauchten Profikonkurrenz durch das Symphonieorchester Vorarlberg und die Bregenzer Meisterkonzerte nicht von ihrer Aufgabe als wertvoller gesellschaftlicher Kulturträger in der Stadt abhalten. Sie wissen dabei auch den Rückhalt einer treuen Klientel von Stammbesuchern zu schätzen, die das Haus regelmäßig füllen.

Ein Wunsch bleibt

Zum Jubiläum stellt man ausnahmsweise keine jungen Talente als Solisten fördernd in den Mittelpunkt, Hansjörg Gruber hat für seine vergrößerte Streicherbesetzung plus Profibläsern eine bunte Folge populärer romantischer Werke aus den letzten zwei Jahrhunderten zusammengestellt. Er will auch in schwierigen Zeiten diese Tradition weiter hochhalten und wünscht sich für die Zukunft wieder einmal eine Musiktheaterproduktion, wie sie zum 100-Jahr-Jubiläum mit der Parodie auf Richard Wagners „Tannhäuser“ („Die Keilerei auf der Wartburg“) stattgefunden hat. Anita Einsle ergänzt: „Das besondere Engagement unserer Laienmusiker und die Freude am gemeinsamen Musizieren machen mich stolz!“

Jubiläumskonzert 110 Jahre Musikfreunde Bregenz, 13. Mai, 19.30 Uhr, Bregenz, Theater am Kornmarkt: „Frühlingsgefühle“,
Leitung: Hansjörg Gruber

Die Orchestermitglieder verstehen natürlich etwas von Musik, nur üben sie sie nicht beruflich aus.

Hansjörg Gruber
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