An Länderbühnen. Innsbruck verschifft Verdis „Un ballo in maschera“ nach Kuba

Schaurig-spannende Spielart eines Meisterwerks

von Christa Dietrich
Feinheiten im Spiel und ein starkes Kolorit: Verdis „Ein Maskenball“ hatte am Samstagabend in Innsbruck Premiere. Foto: LT/Larl

Feinheiten im Spiel und ein starkes Kolorit: Verdis „Ein Maskenball“ hatte am Samstagabend in Innsbruck Premiere. Foto: LT/Larl

Verdis bunter „Maskenball“ und Dean Martin in Schwarz-Weiß? Das geht zusammen.

Innsbruck. Zur Ouvertüre flimmert ein Film-Vorspann über den zur Leinwand gewordenen Zwischenvorhang. Selbstverständlich in Schwarz-Weiß. Nach schäumenden Wellen ist man bei wehenden Palmen und alten Autos angekommen – in Kuba. Beim Heben des Vorhangs herrscht Ockergelb in flirrender Hitze vor, doch so wie Verdi schon nach wenigen Takten klarmacht, dass er mit seiner 1859 in Rom uraufgeführten Oper „Un ballo in maschera“ bei aller Opulenz von Farben und Klang nichts Idyllisches vorhatte und schon gar kein harmloses Fest, erblicken wir neben Normalvolk über und unter den Bögen einer Gouverneursresidenz die Uniformierten. Die Verschwörung gegen den König von Schweden, der bei Verdi und seinem Librettisten Antonio Somma nach der Textvorlage von Eugène Scribe zum Grafen Riccardo wird, ist hier in einen Politkrimi eingebettet, der vom amerikanischen Regisseur und Ausstatter Thaddeus Strassberger und seinem deutschen Kostümbildner Michael Zimmermann ein wenig vom im Programmheft zitierten „Film noir“-Genre atmet, angesichts der dort nicht angeführten Einblendungen im dritten Akt aber auch von den Abenteuerfilmen der 1950er-Jahre geprägt ist. Sollte man sich nicht getäuscht haben, so war es ein Ausschnitt aus dem Streifen „Scared Stiff“ mit Dean Martin, der da kurz vor dem finalen bzw. letalen Maskenball auf jenem Leintuch ablief, mit dem man eine Gefängniswand verhängte.

Die Geschichte ist bekannt, Riccardo verliebt sich in die Frau seines treuen Freundes Renato. Entdeckt dieser die Liaison, die noch gar keine war, schließt er sich den Verschwörern an und setzt den tödlichen Schuss.

Gültig

Was gewinnt das Werk durch die Transformierung nach Kuba? Nun, der Ort erlaubt viel Kolorit und eine glaubwürdige Geisterbeschwörung in der Ulrica-Szene. Strassberger geht es aber wohl um Genauigkeit und Härte der Spielart, die er von seinen Sängern fordert. Bei Karina Flores, einer Amelia mit Strahlkraft und guter Schattierungsfähigkeit, geht das so weit, dass man meint, sie habe sich in der Entdeckungsszene neben diesem schaurigen Galgenhügel, wo sie ihr Kraut gegen die Liebe zu suchen hat, wirklich verletzt. Michael Bachtadze, der stimmlich beeindruckende Renato, spielt die Wandlung zum Macho mit jeder Faser, und die Verschwörer verleihen sogar der untereinander herrschenden Hierarchie Spannung. Ulrica, die einnehmend dunkle Sonja Anastasia, stirbt im Western-Stil und auch Riccardo, Paulo Ferreira, repräsentiert in der Höhe die Besetzungssorgfalt des Hauses, obwohl er – einfach nur erkältungsbedingt – etwas angeschlagen wirkte. Dass er durchaus mehr von Amelia wollte, kommt zum Ausdruck. Als Oscar bringt Sophia Theodorides jene glockenhelle Unbekümmertheit ein, die diese Produktion braucht, die in Francesco Angelico sowieso einen Verdi-Kenner am Pult hat, der das Schonungslose und die Schönheiten der Partitur mit dem Tiroler Symphonieorchester auf sehr gutem Niveau umsetzt.

„Un ballo in maschera“ mit filmischen Akzenten? Das Opernhaus Zürich nimmt demnächst die tief psychologisch akzentuierte, in Schweden spielende Inszenierung des einstigen Bregenzer Festspiel-Intendanten David Pountney wieder ins Programm. Die Tiroler Reise nach Kuba besticht als gültige, etwas andere, aber absolut spannende Spielart dieses Meisterwerks.

Nächste Aufführung am 16. Februar, 19.30 Uhr im Tiroler Landestheater in Innsbruck. Zahlreiche weitere: www.landestheater.at Dauer: knapp drei Stunden.

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