Exzellent, hochmusikalisch und mit viel Spaß

Daniel Nguyen, Lila Scharang und Nikolaus Habjan boten Aufschlussreiches mit Musik, Puppenspiel und Pfeifkunst.
Daniel Nguyen, Lila Scharang und Nikolaus Habjan boten Aufschlussreiches mit Musik, Puppenspiel und Pfeifkunst.

Nikolaus Habjan gefiel als Puppenspieler wie als Kunstpfeifer gleichermaßen.

BREGENZ. (JU) Erstmals seit Bestehen der Reihe „Musik & Poesie“, in der mit viel Gespür die großen Events des Festivals reflektiert werden, erlebte man Künste von eher zweifelhaftem Ruf. Denn sowohl der Puppenspieler wie der Kunstpfeifer sind eher auf Jahrmärkten angesiedelt. Doch da gibt es den Grazer Nikolaus Habjan (28), der sich nach seinem Studium als Musiktheaterregisseur intensiv mit diesen beiden Disziplinen befasste, sie von ihrer Zwielichtigkeit befreite und damit zu einer wirklichen Kunst machte, mit der er am Sonntagabend ein vollbesetztes Seestudio in seinen Bann ziehen konnte.

Der Einstand des Künstlers, der bei der Festspieleröffnung als Bauchredner mit einer vorlauten Handpuppe die Prominenz zum Pult geleitete, war weit weniger überzeugend als dieser Abend, der sich in zwei konträre Teile gliedert. Zuerst lässt Habjan quasi den großen Wiener Schauspieler Oskar Werner (1922–1984) auferstehen, der in Triesen in Liechtenstein begraben ist. Werner ist hier eine mit vollem Blondhaar und stechend blauen Augen täuschend echt nachgebildete Puppe. Die Stimme des Schauspielers kommt von einer historischen Aufnahme von 1952, als Werner noch vor der späteren exzentrischen Phase mit Alkoholexzessen auf der Höhe seiner Kunst war. Wie er hier Rainer Maria Rilkes Erzählung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ (1899) rezitiert, ist ein Exempel überragender, facettenreicher Sprechkunst. Eine nicht weniger respektheischende Kunst ist die Art, wie Nikolaus Habjan in dieser 30-minütigen Einspielung seine Puppe in höchster Konzentration mit unglaublich synchronen Mundbewegungen und der typisch fahrigen Gestik Werners scheinbar zum Leben erweckt. Die Illusion ist perfekt, der Beifall danach riesig.

„Ich pfeife auf die Oper“

Danach nimmt Habjan das Publikum mit in die Realität seiner zweiten Begabung als Kunstpfeifer, die er ebenfalls zu einem Höchstmaß an Perfektion hochstilisiert hat. Unglaublich, was er unter dem flapsigen Motto „Ich pfeife auf die Oper“ alles drauf hat. Am liebsten pfeift er Koloraturen, je schwieriger, desto lieber. Don Ottavios Arie aus Mozarts „Don Giovanni“ ist da noch leichte Kost, verweist aber auf das aktuelle Opernstudio. Bei gleich beiden Arien der „Königin der Nacht“ wird die „Zauberflöte“ vom See wieder lebendig, aus „Hoffmanns Erzählungen“ kommt zuerst die Olympia zu Wort, dann die Giulietta mit der berühmten Barcarole. Hier muss sogar der routinierte Klavierbegleiter, der am Landeskonservatorium ausgebildete Bregenzer Daniel Nguyen, noch die zweite Stimme dazu pfeifen, statt sich nur mit dem indiskutabel intonierten Flügel herumschlagen zu müssen. Natürlich kommt noch, especially for Bregenz, „Nessun dorma“ aus „Turandot“ – alles exzellent und hochmusikalisch und mit viel spaßigem Publikumskontakt interpretiert. Das einzige, was Habjan (noch) fehlt, ist das Gespür dafür, wann es genug ist. Nach einer Stunde wähnt man sich in einem „Déjà-vu-Drehwurm“ und glaubt, alles schon einmal gehört zu haben. Dabei hat er nur den Absprung zum rechten Zeitpunkt verpasst.

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