Edler, kultivierter Liedgesang und echte „Junge Wilde“

Untadelig: Sopranistin Christiane Karg.
Untadelig: Sopranistin Christiane Karg.

Christiane Karg und das Modigliani Quartett begeisterten Schubertiade-Fans.

HOHENEMS. (ju) Montag bei der Schubertiade. Schon am Nachmittag die überaus erfreuliche Begegnung mit der deutschen Sopranistin Christiane Karg, seit 2010 hier hochgeschätzt. Heute verkörpert sie längst das Idealbild eines edlen, kultivierten Liedgesanges gerade bei Schubert, der ja in Sängerkreisen als Prüfstein gilt.

Karg identifiziert sich auch in besonderer Weise mit Gerd Nachbauers ehrgeizigem Mammutprojekt einer Gesamtaufführung von Schuberts 600 Liedern. So hat sie sich für das Programm Nr. 27 in diesem Zyklus der Mühe unterzogen, fünf kaum bekannte Schiller-Vertonungen zunächst im Original vorzustellen und dann in Bearbeitungen. Dass es sich dabei nicht immer um die erste Umgestaltung, sondern auch um die zweite oder dritte handelt, spricht für die Schaffenskraft und den unglaublichen melodischen Erfindungsreichtum des „Liederfürsten“. Noch deutlicher wären die oft frappanten Unterschiede für das Publikum geworden, wenn man die einzelnen Lieder nicht blockweise, sondern direkt nacheinander gegenübergestellt hätte. Untadelig in allen Fällen die Art der Liedgestaltung durch Christiane Karg. Sie singt mit unfassbarer Intensität, glänzt mit tollen Legatobögen, feinsinnig gesetzten Höhen ohne jede Schärfe, kluger Textausdeutung und fabelhafter Wortdeutlichkeit. Populäres dann im zweiten Teil mit Goethe-Vertonungen, u. a. den berühmten „Mignon“-Liedern. Und ein kleines Verwirrspiel für die Zuhörer um das Lied „Nur wer die Sehnsucht kennt“, das in drei Versionen erklingt – nur die allgemein geläufige ist nicht dabei. Als mitfühlender Partner am Klavier ist Wolfram Rieger erneut klasse.

Instrumentaler Schumann

Nach so viel vokalem Schubert ist am Abend instrumentaler Schumann angesagt, im ersten von zwei Konzerten mit den wohl wichtigsten Werken seiner Kammermusik, den drei Streichquartetten op. 41, die der Komponist seiner Frau Clara schenkte, und den zwei Klavierquintetten. Sie sind dem Modigliani Quartett anvertraut, einem der weltweit gefragtesten Ensembles der jüngeren Generation, das wie Karg 2010 hier debütierte. Dabei haben die vier in München ansässigen Franzosen diesmal ein arges Handicap zu bewältigen. Ein Streichquartett, dessen Primarus Philippe Bernhard wegen einer nicht ausgeheilten Verletzung ausfällt, ist wohl das Schlimmste, was passieren kann. Umso erstaunlicher, dass mit Nicolas Dautricourt schon vor Wochen ein vollwertiger Ersatz gefunden wurde. Damit gibt es auch keinerlei merkbare Einbußen in Klang oder Zusammenspiel. Das Quartett pflegt weiter mit Sorgfalt seinen Ruf als eines der „Jungen Wilden“ in diesem Genre, spielt mit überschäumender Power, mit so viel Druck und Tempo, dass das ganz klar ab und zu auf Kosten der Intonation und tonlichen Schönheit gehen muss, auch wenn der Eindruck natürlich faszinierend und effektvoll ist. Verblüffend, dass diese Einstellung der eher widerborstigen, aufrührenden Musik Schumanns in seinen ersten beiden Streichquartetten nicht zuwiderläuft, sondern ihr sogar noch entgegenkommt. Das wild aufrasende Scherzo im ersten Stück oder das Finale des zweiten werden gegen den Stachel gelöckt und sind oft so kantig in der Wiedergabe, dass auch die Zuhörer nicht auf Anhieb ihre Freude damit haben. Erst als im zweiten Teil der amerikanische Pianist Nicholas Angelich für das Klavierquintett Es-Dur op. 44 dazustößt und dieses orchestral angelegte Werk zum donnernden Klavierkonzert macht, spielt auch der Saal begeistert mit.

Nächste Schubertiade-Konzerte: 18. – 26. Juni, Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal.

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