Kindliche Freude kennt kein Alter

von Christa Dietrich

Die selbstbewussten Kleinen von Angelika Kauffmann haben neue Freunde gefunden.

Schwarzenberg. Ob sich die gerade einmal zwei oder zweieinhalb Jahre alten Buben oder die kleinen Mädchen mit Blumen, Kätzchen oder Hündchen gerne majestätisch in Pose gesetzt haben, wissen wir nicht. Kinder hat Angelika Kauffmann (1741–1807) im Allgemeinen so gemalt wie die Erwachsenen.

Auf Wunsch der Auftraggeber halt, die sich zu Repräsentati-

onszwecken

porträtieren

ließen. So wie man vor einigen Jahren, als noch nicht jedermann jederzeit fotografieren und filmen  konnte, seinen Wonneproppen im Fotostudio auf einem Schaffell drapierte, wurde der Nachwuchs der Führungselite fürstlich ausstaffiert, um mit Pinsel und Farbe für Familie und Nachwelt festgehalten zu werden. „Das bin ich“, sagt der Graubündner Landadelsspross Hercules von Salis-Soglio, den Angelika Kauffmann nebst seinem jüngeren Bruder Anton porträtierte, als sie selbst erst gerade den Kinderschuhen entwachsen war. Das Knäblein mit den roten Backen und der goldbestickten Mütze wurde mit knapp über 20 Jahren Bundestagsabgeordneter und setzte mit seiner Frau Maria insgesamt neun Kinder in die Welt. Vermutlich existieren auch von diesen einige Bilder, die mit dem damaligen Alltag der Kinder nur insofern etwas zu tun haben, als sie bezeugen, dass man in begüterten Kreisen den Porträtmaler ins Haus kommen ließ.

Eine Hochbegabte

Die in Chur geborene Künstlerin, die die Österreicher als Landsmännin für sich reklamieren, hatte sich ihren Ruhm und den damit verbundenen Wohlstand, wie man weiß, durch relativ harte Arbeit verdient. Schon als kleines Kind wurde sie vom malenden, aus Schwarzenberg stammenden Vater gefördert. Bekanntermaßen konnte sie auch sehr gut singen. Ein Selbstporträt als Zwölfjährige zeigt sie sehr selbstbewusst mit einem Notenblatt in der Hand. Von der früh verstorbenen Mutter erbte sie die musikalische Begabung, die so weit ausgeprägt war, dass das Singen als Plan B in der Karrierestrategie auftaucht. „Auf dem Scheideweg zwischen Musik und Malerei“ heißt ein berühmtes Bild, das in Moskau gelandet ist und zu den Hauptwerken jener Frau zählt, die in Londons Royal Academy Aufnahme fand, die Aufträge aus europäischen Adelshäusern erhielt, zu deren Gästen im späteren Atelier in Rom aber immerhin auch die großen Denker Europas und nicht zuletzt der Dichter Goethe zählten.

Von Kinderarmut

war Angelika Kauffmann so weit berührt, dass sie Bettelbriefe aus der Bregenzerwälder Heimat erreichten, die sie, wie überliefert, wohlwollend beantwortete. „Das bin ich“ lautet der Titel der soeben erst eröffneten Sonderausstellung im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg, wo man das Werk der Malerin seit einigen Jahren Thema für Thema aufbereitet. So inhaltsreich wie 2007 – zum zweihundertsten Todestag – kann das aufgrund der geringer gewordenen Budgets und versiegenden Leihgeberquellen freilich nicht sein, das OEuvre nun gar zu verniedlichen, dieser Fehler ist Kuratorin Petra Zudrell keinesfalls unterlaufen. Neben den putzigen Bildern, die vor wenigen Jahren wieder im Handel waren und nun in Privatbesitz sind, wird auf Madonna-mit-Kind-Darstellungen oder etwa die Allegorisierung von Kindern verwiesen. Eine weitere Darstellungsweise zeigen die Geschwister Plymouth aus dem Jahr 1795 auf. Sie wurden als Amor und Psyche dargestellt. Auf ein kindliches Rollenspiel sind die Figuren aus der Mythologie wohl nicht zurückzuführen, den Auftraggebern hatte das eben so gefallen.

Eine groß­artige Art, Museumspädagogik

zu betreiben, ist die Anreicherung der Malerei und Grafiken beinhaltenden Ausstellung

mit besonderen Stücken aus der Spielzeugsammlung von Iris Alge. Kinder der vierten Volksschulklasse in Schwarzenberg sollten sich eines der Porträtierten aussuchen und ihm symbolisch ein Spielzeug schenken. So bekommt das Jesuskind also eine Häschenschule, erwähnter Hercules ein Flugzeug und jener Säugling, der noch während der Fertigstellung des Familienbildes des Königs von Neapel verstarb (und deshalb mit einem Schleier bedeckt wurde), erhält nun einen Bären, der ihm im Himmel Freude bereiten soll.

Die Ausstellung „Das bin ich“ ist im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg bis 26. Oktober, Di bis So, 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Mädchen, 1785 von Angelika Kauffmann, und Spielzeug aus der Sammlung Iris Alge.
Mädchen, 1785 von Angelika Kauffmann, und Spielzeug aus der Sammlung Iris Alge.
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