Mit Kunst experimentieren

von MIRIAM STEINBOCK
Für die Vorstellung findet das Ensemble im Vorarlberg Museum einen stimmigen Ort.
Für die Vorstellung findet das Ensemble im Vorarlberg Museum einen stimmigen Ort.

Das Theater der Figur animiert Kinder zum direkten Eintauchen in Gemälde.

Bregenz. Mit Kunst spielen, sie sinnlich erleben und schließlich verstehen. So könnte die Botschaft lauten, die der Theatermacher Johannes Rausch mit „Drei im Museum“ vermitteln möchte. Für die erste öffentliche Vorstellung findet das Ensemble im Vorarlberg Museum einen stimmigen Ort. Das Theater der Figur ist bekannt dafür, Kinder und nebenbei Erwachse dort abzuholen, wo sie zu Hause sind. Und so beginnt das Stück auch nicht im Museum, sondern im familiären Alltag.

Wie Gemälde lebendig werden

Um ein Geschwisterpaar handelt es sich, das zwar im Kinderzimmer spielt, jedoch vor allem zankt, sich nachäfft und um die Gunst des Vaters buhlt, der zwar zu etwas Gemeinsamem animiert, aber meist den Streit schlichten muss. Schließlich geht er mit seinen Kindern ins Museum, um ihnen die Welt der Kunst näherzubringen.

Der Vorarlberger Tänzer Martin Birnbaumer mimt den Vater. Er wirbelt seine Kinder durch die Luft, animiert sie zu Sprüngen und wälzt sich am Boden. Sanft wird er mit dem Eintritt ins Museum, in dem er mit Bedacht jene Bilder auswählt, in deren Szenerien er mit seinen Kindern direkt einsteigen wird. Der Brunnen von Tone Finks Dorfplatz in Schwarzenberg beispielsweise fängt an zu plätschern, Kuhglocken läuten und der Platz wird belebt von Birnbaumers Jodeln und Schuhplatteln, in das er seine Kinder einlädt und sie zum gemeinsamen Volkstanz bittet. Ganz lässig webt er zeitgemäße Breakdance-Elemente ein und übersetzt traditionelle Tanzformen gewinnbringend ins Hier und Jetzt. Im nächsten Gemälde spielt Fabienne Rohrer, die das vorlaute Kind mimt, mit den Schatten ihrer Bewegungen zu den bunten und kreisförmigen Elementen des Bildes. Ihre zu Dutts aufgesteckten Haare verwandeln sie im Schattenspiel plötzlich zur Trickfigur Mickey Mouse, die durch Franz Türtschers „Die Bedrohung“ stapft, was dem Bild eine bezaubernde Leichtigkeit gibt. Carina Huber, die das musisch interessierte Kind darstellt, probiert sich malend, singend und tanzend aus und schlägt in ihrer Rolle experimentell über die Stränge. Ihr Tanz hat seinen Ursprung im Ballett und die Klarheit dieser Formensprache gibt dem überbordenden Spiel auf der Bühne einen fast mütterlichen Halt.

Die wahre Botschaft

Gesprochen wird in diesem Stück kaum, die Handlung wird getanzt und mit Ausdruck dargestellt. Begleitet wird das Trio von Matthias Bitschnaus Livemusik und den akribisch gezeichneten, auf einen Schnürlvorhang projizierten Illustrationen von Johannes Rausch. Das junge und erwachsene Publikum geht gleichermaßen mit, lacht und schwingt, wenn das Tanz-Trio streitet, dann einen gemeinsamen Rhythmus findet und ganz offensichtlich viel Spaß an Kunst hat. Und dies könnte dann die wahre Botschaft sein, dass letztlich die Freude am Experiment sowie der Mut zum Tun den fruchtbarsten Boden bilden.

„Drei im Museum“ ab Herbst wieder im Programm des Theaters. Infos www.theater-der-figur.at

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