Wo geht es hier überhaupt zur Kunst?

von Christa Dietrich
Die Kunsthistorikerin Ute Pfanner ist für die Sammlung und die Ankäufe zuständig. Fotos: VN
Die Kunsthistorikerin Ute Pfanner ist für die Sammlung und die Ankäufe zuständig. Fotos: VN

Gotik, Kauffmann oder Neues. Manche finden viel, andere zu wenig oder das Falsche.

Bregenz. Wie die bildende Kunst überhaupt ins Vorarlberg Museum kam und kommt, das zumindest lässt sich leicht beantworten. Dass ein Schwerpunkt der gesamten Sammlung im 19. Jahrhundert liegt, ist auf den Gründungszeitpunkt der rund 150 Jahre alten Institution zurückzuführen. Bei Kirchenumbauten oder nachdem damals die sakrale Kunst im Stil der Nazarener stark nachgefragt war, achtete man nach Möglichkeit darauf, dass die gotische Kunst nicht ins Ausland oder in den privaten Besitz verschwand. Von den rund 900 Skulpturen, die das Vorarlberg Museum in seiner Sammlung hat, sind die Hälfte, so die zuständige Kunsthistorikerin Ute Pfanner, gotisch.

Als die Nachfahren aus der Familie der aus dem Bregenzerwald stammenden Malerin Angelika Kauffmann (1741–1807) dem Museum einige Gemälde anboten, waren die Preise noch auf einem Level, der es den Zuständigen ermöglichte, den umfangreichsten Bestand aufzubauen. Wenn das Museum heute von der weltgrößten Sammlung an Kauffmann-Werken spricht, ist zu berücksichtigten, dass damit auch die Grafiken und Stiche gemeint sind, einige der wesentlichen Beispiele aus ihrem Œuvre befinden sich unter anderem in Zürich, Chur, London oder St. Petersburg. (Das berühmte Goethe-Porträt, an dem man gerne ihr Können misst, hängt im ehemaligen Wohnhaus des Dichters in Weimar.)

Keine Kauffmann

Bei der Erwähnung von Angelika Kauffmann drängt sich ein Thema auf, das seit der Eröffnung des Museumsneubaus im Juni vergangenen Jahres immer wieder angesprochen wird: Bilder der Malerin sind zurzeit nämlich gar nicht zu sehen und das wird auch noch mindestens zwei Jahre so bleiben. Ute Pfanner verweist auf die grafischen Arbeiten im Schaudepot, die kleinen Themenausstellungen, die das Kauffmann-Museum in Schwarzenberg realisiert und auf einen Bestandskatalog, den die Wissenschaftlerin Bettina Baumgärtel erstellt. Bevor der nicht fertig ist, kommt in Bregenz nichts an die Ausstellungswände.

Ankaufsproblematik

Dort findet man zwischen Objekten aus verschiedenen Bereichen der Landesgeschichte unter anderem auch einige Beispiele aus dem Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts bzw. der Gegenwart. Nicht nur die Hängung mag zu Diskussionen Anlass geben, auch die Auswahl und überhaupt die Präsenz. Während Irritationen bezüglich der Gestaltung intendiert sind, hängt das, was man überhaupt zeigen kann, nicht von Entscheidungen der Museumsmitarbeiter ab. Erst seit wenigen Jahren tätigt man selbst Ankäufe, für die zudem ein eher kleines Budget von 140.000 Euro zur Verfügung steht. Das Vorarlberg Museum beherbergt somit das, was die Kunstkommission des Landes ankauft. „Wir sind nicht zufrieden“, bringt Ute Pfanner die Umstände auf den Punkt. Nur einzelne Kommissionsmitglieder (vor allem, wenn es sich um Kunsthistoriker oder Kunstvermittler und nicht Künstler handelte) waren bislang bereit, überhaupt Rücksprache mit dem Museum zu halten. Warum man in einigen Jahren „ein wenig nach dem Gießkannenprinzip“ angekauft hat, ist für Ute Pfanner zwar nachvollziehbar, sie hätte aber beispielsweise lieber ein größeres zentrales Werk einer Künstlerin oder eines Künstlers in der Sammlung als mehrere kleine.

Mehrere Lücken

Im Zuge der Ausstellungsvorbereitung zur Sonderschau Alpen-Fotografie (aus der man auch ein Objekt angekauft hat) wurde beispielsweise festgestellt, dass das Thema Landschaft im Bestand an bildender Kunst nur eine marginale Rolle spielt. Die Gründerväter hatten – ihrem großbürgerlichen Umfeld entsprechend – Porträts den Vorzug gegeben. Zu den zuletzt getätigten Ankäufen zählt die Arbeit eines Zeitgenossen, der sich malerisch mit Eingriffen in die Landschaft auseinandersetzt. (Im Rahmen der Aktion „Was hat Platz im Museum?“ – siehe Factbox – kann im Übrigen auch gerne auf Lücken hingewiesen werden.)

Selbstverständlich erhielt das Museum über die Jahrzehnte zahlreiche Schenkungen. Dass noch einmal ein Werk von Rudolf Wacker (1893–1939) dabei ist, schließt die Kunsthistorikerin aus, obwohl sie sich einen weiteren Beleg für seine hohe Qualität im Bereich der Stillleben, sehr wünscht.

Von Alois Mennel, einem weiteren, weit weniger bekannten Vertreter der Neuen Sachlichkeit, konnten zuletzt einige Arbeiten erworben werden, einige kamen über eine Schenkung ans Haus. Albert Bechtold  (1885–1965), einem Erneuerer der Bildhauerei, ist dort keinesfalls im aussagekräftigen Umfang zu begegnen. Einige maßgebliche Arbeiten müssten noch im Privatbesitz sein, vermutet Ute Pfanner, auf dem Kunstmarkt sei von ihm so gut wie nichts mehr erhältlich. Was das Œuvre von Edmund Kalb (1900–1952) betrifft, so habe man – sicher auch dank der Forschungen des Kunsthistorikeres Rudolf Sagmeister – noch zeitgerecht gehandelt und Werke erworben, die es ermöglichen, sich ein Bild von seinem Schaffen zu machen.

Derzeit ist es nicht präsent, allerdings erarbeitet des Museum eine große Schau zur Kunst der Zwischenkriegszeit.

Auch wenn man professionell sammelt, entscheidet man subjektiv, erläutert Ute Pfanner einen Aspekt ihrer Arbeit. Expertisen erstelle man im Museum nicht, auf Diskussionen zum Bestand und zur Präsenz lasse man sich gerne ein. Allein schon deswegen, weil Kunst, wie sie betont, nichts Abgehobenes sein soll. Hat ein Objekt, das von Menschen für museumswürdig erachtet wird, keinen hohen künstlerischen Wert, so hat es vielleicht kulturhistorische Relevanz.

Vom Vorarlberger Bildhauer Albert Bechtold (1885–1965) fehlt Wesentliches in der Museumssammlung.
Vom Vorarlberger Bildhauer Albert Bechtold (1885–1965) fehlt Wesentliches in der Museumssammlung.
Zurzeit wird ein Werkverzeichnis zu Angelika Kauffmann (1741–1807) erarbeitet. Frühestens in zwei Jahren ist im Vorarlberg Museum mehr von der weltberühmten Malerin aus dem Bregenzerwald zu sehen.
Zurzeit wird ein Werkverzeichnis zu Angelika Kauffmann (1741–1807) erarbeitet. Frühestens in zwei Jahren ist im Vorarlberg Museum mehr von der weltberühmten Malerin aus dem Bregenzerwald zu sehen.

Mit der Situation im Bereich des Kunstankaufs durch eine Kommission sind wir nicht zufrieden.

Ute Pfanner

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» Auswertung: Die Auswertung der Einsendungen erfolgt in der VN-Redaktion in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern im Vorarlberg Museum.

» Weitere Informationen zum Projekt: Christa Dietrich (Kulturredaktion, Vorarlberger Nachrichten), Tel. +43/5572/501-225

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