Pointiert geschriebener Generationenkonflikt

Es ist interessant, wie Streeruwitz in ihrer Rolle als Jungautorin ihre Wut auf die Buchbranche weitet. Foto: EPA
Es ist interessant, wie Streeruwitz in ihrer Rolle als Jungautorin ihre Wut auf die Buchbranche weitet. Foto: EPA

Streeruwitz legt bald jenes Buch vor, mit dem es ihre neue Protagonistin auf die Buchpreis-Shortlist schafft.

Roman. Im Jahr 2011 kam die österreichische Autorin mit ihrem bisher letzten Roman „Die Schmerzmacherin“ auf eben diese Shortlist. Dass viel von ihrer damaligen Erfahrung eingeflossen ist, darf angenommen werden, und so manche zickige Kollegin, so manch übergriffiger Verleger und andere „grumpy old men“ des Literaturbetriebs könnten sich wiedererkennen. Denn nach einem kurzen Auftakt in einer Leichenhalle, bei der familiären Totenvisite am Sarg des verstorbenen Großvaters, sitzt die 20-jährige Cornelia bereits kaum drei Dutzend Seiten später im Flieger nach Frankfurt, wo die restlichen 400 Seiten des Romans „Nachkommen“ spielen.

In Frankfurt wird die attraktive Jungautorin, die es mit ihrem Erstlingswerk „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland“ in die Endauswahl für den deutschen Buchpreis geschafft hat, als Attraktion herumgereicht. Schon ihre früh verstorbene Mutter, die auf der Buchmesse von nahezu jedem Gesprächspartner unweigerlich erwähnt wird, war eine erfolgreiche Autorin. Und nun hat die Tochter einen politischen Roman geschrieben. „Eine junge Frau reist auf Umwegen und mit vielen Abenteuern nach Athen. Sie ist auf der Suche nach ihrem Geliebten. Auf dieser Reise trifft sie zum einen auf ein Griechenland, das durch die Krise geprägt ist. Zum anderen muss die junge Frau aus der Trauer um ihre verstorbene Mutter heraustreten, um die Liebesgeschichte mit ihrem Geliebten beginnen zu können“, fasst eine 3sat-Journalistin in Nelias allererstem Fernsehinterview den Romaninhalt zusammen.

Reise einer Anarchistin

Das Buch scheint weitgehend autobiografisch. Nelias griechischer Freund Marios hat bei Demonstrationen gegen die EU-Troika Brüche an den Fußgelenken davongetragen. Mit dem Buchpreis-Geld ließen sich die notwendigen Operationen wenigstens leichter finanzieren. Der Clou: Das in Streeruwitz‘ Roman so gefeierte Buch von Nelia Fehn wird wirklich erscheinen. „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland“ ist vom S. Fischer Verlag angekündigt. Autorin: „Marlene Streeruwitz als Nelia Fehn“. Die Verblüffung darüber, wie der konservative, männlich dominierte Betrieb funktioniert, wirkt nicht immer glaubwürdig, die junge Frau präsentiert sich sehr welterfahren.

Marlene Streeruwitz: „Nachkommen.“, S. Fischer Verlag, 432 Seiten: www.marlenestreeruwitz.at

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.