„Satire ist artistische Kritik“

Werner Schneyder schwang seine Kabarettkeule gegen politische und gesellschaftliche Auswüchse.

Bregenz. (VN-ht) Schneyder ist ein Sprachkünstler, der es liebt, Erscheinungsformen aller Art möglichst präzise und prägnant zu definieren. Es ist daher kein Zufall, dass er sein jüngstes Buch „Von einem, der auszog, politisch zu werden. Die Geschichte eines Meinungsträgers“ mit einer Definition des Kabaretts beginnt: „Satire ist artistische Kritik. Diese Kritik gespielt, ist Kabarett.“ Und damit schießt er sich leider selbst ins Knie. Denn sein Auftritt im Seelax am Karsamstag geriet zu einem Vortrag, zwar mit gewohnt glänzendem, beißendem Inhalt, jedoch über weite Strecken, eng am Konzept hängend, deklamierend. Nur selten lief der mittlerweile 77-Jährige zu früherer Form auf, trat frei vor das Publikum und spielte.

Die Wut lebt

Wenn Schneyder sein Lieblingsthema Geldwirtschaft aufs Korn nimmt, lebt der alte Zorn auf, greift er ins Volle seiner gewaltigen Wortschöpfungen, deckt zynische Schönfärberei der Akteure auf – „wenn es ein

Minuswachstum gibt, müsste es auch ein Plusschrumpfen geben“ – und wirft jede Menge die Wut steigernde Beispiele für den hämischen, unmäßigen Umgang gewisser Manager mit Geld, das nicht ihnen gehört, in den Raum. „Zuhälter sind dagegen Ehrenmänner, ihre Nutten gibt es wenigstens.“ In diesem Wirrwarr der Finanzjongleure bietet die Tatsache, dass Österreich mit Zwentendorf das sicherste AKW hat, nur schwachen Trost. Und was setzen die Politiker dem Treiben entgegen? „Die Christlich-Sozialen tun um Gottes Willen so, als ob, und die Sozialdemokraten verstehen unter dem Begriff Genossen bestenfalls noch das ­Mittelwort der Vergangenheit.“ Und die EU? „Besteht aus Staaten, die sich nicht vorschreiben lassen, was sie dort selbst

beschlossen haben.“ Solche Wortspiele provozieren freilich Beifall, der anfänglich nur spärlich fiel und nun dem Altmeister sichtlich gut tut.

Nach der Pause wirkt Schneyder lockerer, baut gespielte Dialoge ein, womit er sofort Aufmerksamkeit und Applausbereitschaft hebt, schlägt scharfzüngig und gewohnt sarkastisch einen weiten Bogen von Obama über Religion, von Ökologie bis zur Gastronomie und macht sich über sein eigenes Metier als Regisseur lustig. Das Publikum kam jedenfalls auf seine Kosten und erklatschte sich sogar noch eine Zugabe.

Morgen beim Seelax-Festival:Sven Regener: „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“, 20.30 Uhr. Das Festival dauert bis 31. Mai. www.seelax.at

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