So gut wie professionell unterwegs

von Fritz Jurmann
Der Feldkircher Domchor präsentierte weitgehend unbekannte Werke, dafür aber einen großen Programmbogen.  Fotos: JU  
Der Feldkircher Domchor präsentierte weitgehend unbekannte Werke, dafür aber einen großen Programmbogen. Fotos: JU  

Der Feldkircher Domchor überraschte zum zweiten Mal mit einem Konzert.

FELDKIRCH. Erstmals vor Jahresfrist wagte es der unermüdliche, seit 2007 als Domkapellmeister wirkende Benjamin Lack, seinen Domchor einmal abseits der Anonymität auf der Empore konzertant im Altarraum mit Haydns „Paukenmesse“ zu präsentieren. Der rauschende Erfolg von damals ermutigte ihn zu einer Fortführung. Am Palmsonntagabend gab es im wieder voll besetzten Dom erneut ein großes Chor-Orchesterkonzert, diesmal mit weitgehend unbekannten Werken, dafür einem großen inneren Programmbogen, der vom Karfreitag in die österliche Auferstehung führte.

45 Sängerinnen und Sänger haben in der weiten Apsis Aufstellung genommen, nur wenige Männerstimmen sind Aushilfen. Mit solcher Schlagkraft, einer großen Portion innerer Motivation und Begeisterung und der Routine regelmäßiger Sonntags-Hochämter ausgestattet, gelingt auch ein nicht einfaches Chorwerk wie das „Stabat Mater“ des Vaduzers Josef Gabriel Rheinberger auf Anhieb. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten hat Rheinberger den Sängern in dieser Gelegenheitskomposition keine extreme chromatische Harmonik in die Kehle geschrieben, alles erscheint wie abgeklärt in einem milden Licht der Romantik, wird weich fließend, beschaulich, in ruhigen Tempi und ausgewogenen vierstimmigen Sätzen vorgeführt.

Reiz für die Zuhörer

Nach dem ungeschriebenen Motto dieses Konzertes, „Per aspera ad astra“ („Vom Dunkel ins Licht“), folgt auf solch bedrückende Traurigkeit eine frühromantische lateinische Festmesse voll Jubel, Zuversicht und Gottvertrauen. Der protestantische Preuße Otto Nicolai hat auch in diesem streng katholisch ausgeformten Werk den Opernkomponisten nicht verleugnet, man findet (etwa im eigentümlich gefärbten „Benedictus“) Elemente, die aus seinem Erfolgswerk „Die lustigen Weiber von Windsor“ stammen könnten. Das tut der Qualität keinen Abbruch, erhöht aber deutlich den Reiz für den Zuhörer, und es bleibt die Frage, warum dieses Werk nicht öfter aufgeführt wird. Hier ist Benjamin Lack, nach einem kleinen Eingriff gehandicapt und darum sitzend im Einsatz, voll in seinem Element. Wie er die kompakten Chorsätze plastisch ausformt, das nun größer mit Blech und Pauken bestückte, klangvolle Dom-Orchester lautstärkemäßig nach Kräften im Zaum hält und dabei den geistig-religiösen Gehalt des Werkes in den Vordergrund stellt, zeigt wieder einmal seine intensive Befassung und Kompetenz im Bereich der Sakralmusik.

Der Domchor wächst an enormen Aufgaben über sich hinaus, ist über weite Strecken klanglich und dynamisch so gut wie professionell unterwegs, einzig kleine Höhenprobleme im Sopran verraten, dass es sich dabei um Amateursänger handelt. Schöne Glanzlichter steuert das heimische Solistenquartett bei: Christine Schneider, die mit ihrem kräftigen Sopran erfreut, die Ensembles manchmal freilich etwas zu sehr dominiert, Veronika Dünser, die das „Agnus Dei“ wie auf der Opernbühne anstimmt, sowie Stefan Gi­singer, Tenor, und Matthias Haid, die sich sicher und präg­nant einfügen. Domorganist Johannes Hämmerle grundiert an der Truhenorgel und baut mit einer Sonate von Mendelssohn-Bartholdy an der Metzler-Orgel eine stilistisch ideal gewählte und mit gewohnter Sorgfalt ausgeführte Brücke zwischen den beiden Werken. Große Begeisterung im Dom.

Nächste Aufführung des Domchores Feldkirch: Ostersonntag, 20. April, 9.30 Uhr, Hochamt („Spatzenmesse“ von Mozart)

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