Alte Marienklage mit neuem Maestro

von Fritz Jurmann
Kammerorchester Arpeggione mit Solisten und dem Schulchor des Sacré Coeur Riedenburg.  Foto: JU  
Kammerorchester Arpeggione mit Solisten und dem Schulchor des Sacré Coeur Riedenburg. Foto: JU  

Kammerorchester „Arpeggione“ konzertierte erstmals in der Kirche St. Konrad.

HOHENEMS. Das zweite Konzert in der neuen Saison bescherte den zahlreich erschienenen Freunden des Kammerorchesters „Arpeggione“ mit der Kirche St. Konrad im Herrenried einen neuen, akustisch angenehmen Schauplatz und interessante Gastmusiker. Das vielfältige Programm fand seinen Höhepunkt im beliebten „Stabat Mater“ von Pergolesi als Einstimmung auf die Karwoche.

Bereits der Beginn gibt den ernsten Charakter dieses Abends im sakralen Raum vor, mit drei geistlichen lateinischen Antiphonen, vorgetragen von den klanggewaltigen Männerstimmen des Gesangvereins Hohenems unter André Vitek. Am Pult des diesmal nur aus Streichern bestehenden Orchesters debütiert der junge, erfahrene Mailänder Gianluca Capuano, der die Musiker dazu anhält, einem internationalen Trend folgend zumindest das erste Stück stehend zu spielen. Ein Tausendsassa, der auch selber am Cembalo begleitet und genau weiß, was es mit der „historisch informierten Aufführungs­praxis“ auf sich hat. Dies verhilft dem stark an das berühmte „Weihnachtskonzert“ aus derselben Werkgruppe erinnernden Concerto grosso op. 6/3 von Corelli zu einer stilistisch fein ausgeloteten Wiedergabe.

Cellistin Lizi Ramishvili

Mit der erst 17-jährigen Cellistin Lizi Ramishvili hat Kurator Irakli Gogibedaschwili ein erstaunliches Talent aus seiner Heimat Georgien aufgeboten. Die junge Dame erweist sich als Temperamentsbündel, wenn sie bei Haydns C-Dur-Cellokonzert vor lauter Spielfreude manchmal übers Ziel hinausschießt, das Werk aber sicher und auf einem für ihr Alter beachtenswerten Niveau über die Runden bringt. Das Orchester ist mit wechselndem Erfolg um Übereinstimmung bemüht und im ersten Satz zu laut.

Die ergreifende barocke Marienklage „Stabat Mater“ („Christi Mutter stand mit Schmerzen“) von Giovanni Battista Pergolesi stand bereits vor Jahren bei „Arpeggione“ auf dem Programm, in der Kirche St. Karl und mit der berühmten Sopranistin Eva Lind. Nun ist dieser Part der bewährten Birgit Plankel anvertraut, bei der man besonders ihre sichere Höhe, die klangvolle Pianokultur und den innigen Ausdruck bewundert. Ihr zur Seite erweist sich die für die erkrankte Martina Gmeinder eingesprungene, bislang im Konzertleben unbekannte Lustenauer Altistin Eva Brugger als Überraschung. Die Lehrerin an der dortigen Musikschule besitzt eine nicht sehr große Stimme, punktet aber mit der Wärme ihres dunklen Registers, guter Diktion und ansprechender Verzierungstechnik. Klanglich harmonieren die beiden Stimmen bestens in terzenseligen, nicht selten auch fröhlichen Duetten.

Es war eine wunderbare Idee, neben zwei weiteren Teilen auch die berühmte Eröffnung des „Stabat Mater“ mit den beiden dissonant ineinander verschlungenen Melodien einem so hoch qualifizierten Ensemble wie dem Schulchor des Sacré Coeur Riedenburg anzuvertrauen: Da kommen erfreulich jugendfrische Impulse von den 50 Mädchen und jungen Damen in ihren Schuluniformen. Die Sängerinnen haben von ihrem Leiter Hubert Herburger sehr viel an Stimmbildung, Klang- und Sprechkultur mitbekommen und bringen das mit ihren hell getönten, sauberen Stimmen auswendig perfekt auf den Punkt, bis hin zu den tröstlichen Verheißungen des Paradieses im Finale. Die jenseitige Botschaft kommt an, und die Begeisterung des Publikums lässt vergessen, dass sich in die Begleitung des Orchesters auch manch durchaus irdische Unsauberkeiten eingeschlichen haben.

Nächstes „Arpeggione“-Konzert am 17. Mai, 20 Uhr, Rittersaal Palast Hohenems (Dirigent James Brooks-Bruzzese, Solistin Melinda Felletar, Harfe)

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