Mystik und Langeweile

von Fritz Jurmann
 Die Musiker geizen nicht mit den Qualitäten.  Foto: JU  
 Die Musiker geizen nicht mit den Qualitäten. Foto: JU  

Ensemble Pessi/Wallumrod hinterließ im Kulturhaus einen zwiespältigen Eindruck.

DORNBIRN. Es scheint, als ob die Klassik-Reihe der Stadt eine Art Vorreiterrolle beanspruchen möchte in der Präsentation neuester Trends auf dem Musikmarkt. Weit hinausgelehnt hat man sich jedenfalls zuletzt am Donnerstag mit einem innovativen Crossover-Projekt, das der deutsche Produzenten-Guru Manfred Eicher für sein Label ECM binnen Kurzem zu beachtlichem Erfolg geführt hat. Die Reaktionen im angejahrten Kulturhaus blieben dennoch deutlich reservierter.

Es geht um das Duo der vor allem im Barock kompetenten Schweizer Harfenistin Giovanna Pessi und der schwedischen Singer/Songwriterin Susanna Wallumrod, die sich vor Jahren fanden, um in einem grenzüberschreitenden Projekt Neues zu wagen. Nichts weniger, als eine Brücke zu schlagen zwischen Barock und Pop, unterstützt neben der Barockharfe durch zwei weitere Musiker auf Barockinstrumenten, der einer Drehleier ähnlichen Nyckelharfe und dem Baryton, einer Art Gambe.

Als die Vier beginnen, bleibt die Bühne im Halbdunkel, täuscht Mystik und Meditation vor. Und zunächst lässt man sich tatsächlich fasziniert in diese besonderen Klänge hineinfallen, mit denen Songs von Leonard Cohen mit solchem Instrumentarium begleitet werden oder umgekehrt Gesänge des Barockmeisters Henry Purcell mit einem dünnen, hauchigen Popstimmchen über Mikrofon im Kunsthall ertönen. Das zeigt zwar Bezüge über 300 Jahre hinweg auf, klingt aber alles so ähnlich, dass man mit der Zeit nicht mehr weiß, was ist jetzt Cohen, was Purcell. Und spätestens da wird die Mystik zur Langeweile.

Belanglos

Da rettet einen dann ein Lied aus der barocken Hitparade wie Purcells „Music for a while“ aus der Lethargie, ebenso wie die instrumentalen Einschübe der Musiker, die auf klanglich exzellenten alten Instrumenten nicht mit ihren Qualitäten geizen. Trotzdem will der Funke nicht überspringen. Auch das Motto mit dem Purcell-Song „If grief could wait“ lässt im Ungewissen: „Wenn der Gram warten könnte“. Wenigstens bleibt der Abend überschaubar. Rasch noch ein „AC/DC“ zum Schluss, der auch nicht anders klingt.

Nächstes Konzert bei Dornbirn Klassik im Kulturhaus: 14. Mai, 19.30 Uhr (Orchestra da Camera di Mantova, Leitung und Klaviersolist: Alexander Lonquich)

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.