Festgehalten im Moment

von Ariane Grabher
Nach der Präsentation bei Otten wurde die Projektion erweitert.
Nach der Präsentation bei Otten wurde die Projektion erweitert.

Bei „allerArt“ zeigt die Installation von Imelda Wachter flüchtige Begegnungen im Alltag.

BLUDENZ. Ein kleines Stadttor in der Medina von Marrakesch bildet die Kulisse für die Vorarlberger Künstlerin Imelda Wachter, die in der roten Stadt eine zweite Heimat gefunden hat. Fasziniert von der alltäglichen Betriebsamkeit hat Imelda Wachter das momenthafte Geschehen am Tor mittels einer verborgenen Kamera gefilmt und daraus die Installation „Un instant à Marrakech“ entwickelt.

Bewegung

Nach der Erstpräsentation 2012 im Otten Öltank ist die um einen Schriftzug und neue Fotoarbeiten ergänzte Projektion nun in der Galerie „allerArt“ zu sehen. Im Zentrum steht eine Art Litfasssäule, deren 360-Grad-Endlosschleife aus Bildern den Betrachter förmlich zur Umrundung zwingt.

Das Stimmengewirr, die im Tagesverlauf länger werdenden Schatten – fast erwartet man, das Moped, das aus dem Tor fährt oder die eiligen Verkäufer, in der nächsten Sequenz wieder auftauchen zu sehen. Doch gespeist aus fünf Filmen, wenige Minuten lang, nicht synchron laufend, folgen und treffen stets neue Situationen aufeinander, unwiederholbar und flüchtig wie der Augenblick, den Imelda Wachter über Wochen und immer wieder festhält, und der neben dem Moment der Bewegung das zentrale Thema der Künstlerin ist. Dass es eigentlich verbotene Blicke sind, die Imelda Wachter von ihrer Dachterrasse auf das Straßentor und die Menschen, die es jeden Tag passieren, wirft, und sie mit einem Tabu der arabischen Welt bricht, dessen ist sich die Künstlerin bewusst.

Figuren aus der Märchenstadt

Aber ihre Arbeit hat weder etwas Voyeuristisches noch etwas Naives, sondern spiegelt vielmehr ein tiefes Berührt-Sein vom Zauber dieses besonderen Ortes, eine Neugierde am Anderen und Fremden, am unverfälschten Leben der Menschen, das sich zu einem großen Teil auf der Straße abspielt. Als Stills aus den Filmen sind auch Fotoarbeiten entstanden. Kleinerformatige Digitaldrucke auf der Rückseite von milchigem Acrylglas evozieren durch ihre leichte Unschärfe und Verwischtheit das Vergehen des Augenblicks, während der Körper einer Frau, in eine Burka gehüllt, zur Skulptur gerinnt. Noch deutlicher wird das Verstreichen der Zeit in den ganz neuen Fotoarbeiten. Durch Überlagerung zweier aufeinanderfolgender Bilder aus dem Film entsteht auf halbtransparentem textilem Gewebe der Eindruck von Bewegung. Aber auch die Präsenz der Menschen wird deutlich. Verhaftet im Moment, wirken sie wie Figuren, die gerade einer Geschichte entsprungen sind und doch direkt aus der Realität kommen. Sie verleihen den Bildern eine poetische, erzählerische Dimension und letztlich doch etwas vom orientalischen Flair der Märchenstadt, wie man sie sich gerne vorstellt.

Die Ausstellung ist in der Galerie „allerArt“, Remise Bludenz, Am Raiffeisenplatz in Bludenz bis 11.Mai geöffnet, Mi, Fr, Sa, So und Feiertag, 15 bis 18 Uhr, Do, 16 bis 20 Uhr.

Die Arbeit der Künstlerin Imelda Wachter spiegelt ein tiefes Berührt-Sein.  Fotos: A. Grabher, Wachter  
Die Arbeit der Künstlerin Imelda Wachter spiegelt ein tiefes Berührt-Sein. Fotos: A. Grabher, Wachter  

Zur Person

Imelda Wachter, Künstlerin

Geboren: 1957 in Dornbirn

Ausbildung: Sydney Art School, Sydney/Australien; Schule für Gestaltung, St.Gallen/CH

Laufbahn: diverse Ausstellungen (zuletzt im Frauenmuseum Bonn), Aufträge und Projekte im öffentlichen Raum (u.a. Installation in der Dornbirner Innenstadt)

Wohnort: Lustenau, Marrakesch

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