an wiener bühnen. „Mein Mann hat Facebook!“ von Stefan Vögel uraufgeführt

Einfach, jedoch freudig gestrickt

von Christa Dietrich
Schöne Beine und dramatische Nervenzusammenbrüche dürfen in „Mein Mann hat Facebook“ auch vorkommen.  Foto: Bock  
Schöne Beine und dramatische Nervenzusammenbrüche dürfen in „Mein Mann hat Facebook“ auch vorkommen. Foto: Bock  

Auch im World Wide Web funktionieren die herkömmlichen Komödienmechanismen.

Wien. (VN-cd) Das Podium selbst hat eine große Geschichte. Auch Emanuel Schikaneder, der Schöpfer des „Zauberflöten“-Textes, war im ehemaligen Gebäude Impresario, später bzw. nach Umbauten und leichten Umbenennungen agierte Topsy Küppers hier in Georg Kreislers „Heute Abend Lola Blau“.

Die große Vergangenheit ist Geschichte, auf dem Programm der „Freien Bühne Wieden“ findet man „Ungehorsam? Um Gottes Willen!“, eine kritische Komödie mit pastoralem Hintergrund von Gerald Szyszkowitz, literarische Abende und das jüngste Stück des Vorarlbergers Stefan Vögel. „Mein Mann hat Facebook!“ wurde vor wenigen Tagen uraufgeführt und vom Publikum im kleinen Theaterraum heftig beklatscht. Schon das Ambiente – Steinstiegen rauf ins Mezzanin und rein in eine plüschige Welt – hat etwas leicht Angegrautes. Man kann sich an solchen Orten auch Konträres vorstellen, aber schließlich entpuppt sich „Mein Mann hat Facebook!“ als adäquat, provoziert Lacher, ist einfach gestrickt – Unterhaltung. Vögel setzt auf erprobte Muster.

Konflikte zwischen Paaren lassen sich in Zeiten von Facebook und Twitter genau so überhöhen wie damals, als man sich die große weite Welt via Radio ins Haus holte oder als im Eck ein Fernseher flimmerte.

Sie kümmert sich vorwiegend um Blumengestecke, Häkeldeckchen und die Aquarellmalerei, die die Ausstatterin und Regisseurin Michaela Ehrenstein gemeinsam mit Erwin Ball schön drapiert, er flüchtet sich nicht in den Bastelkeller, sondern vor den Computer, spricht nur noch die Sprache der Freaks bzw. Nerds. Heilung soll ein Doktor bringen, der eine Chance wittert, mit seiner Diagnose berühmt zu werden.

Smileys zuhauf

Facebook als Krankheit? Nein, so weit geht Vögel nicht. Ob die Smileys und das Giggling ein probates Mittel sind, um die Frau loszuwerden, den Nesthocker-Sohn zu verkuppeln, oder einfach nur um schöne Beine und dramatische Nervenzusammenbrüche vorkommen zu lassen, löst sich nicht wirklich auf. Und ist eigentlich auch egal. Angela Schneider, Felix Kurmayer, Alexander Buczolich und die anderen spielen frisch und vergnügt. Das Publikum hat mit ihnen ebenso viel Freude wie mit dem anwesenden Autor. Das war es. Mehr sollte es wohl auch nicht sein.

Weitere Aufführungen bis 7. Mai, in der Freien Bühne Wieden, Wiedner Hauptstraße 60b

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