Meinung

Walter Fink

Es kommt die Zeit von Felder

Es ist jetzt genau 150 Jahre her, dass der Schoppernauer Dichter Franz Michael Felder sein erstes Buch veröffentlichte. Im Jahre 1863 erschien in Lindau „Nümmamüllers und das Schwarzokaspale“. In seiner „Vorrede“ schrieb Felder: „Hiermit übergebe ich den Freunden der Dorfgeschichte ein Werkchen, in welchem ich Leben und Sitten der Bregenzerwälder darzustellen suchte, wie ich sie aus eigener Anschauung kennengelernt habe.“ Auch im Internet kann man Felders Gedanken zu dieser ersten Veröffentlichung eines Buches von ihm verfolgen. Dort nämlich hat Jürgen Thaler einen Felder-Brief-Blog eingerichtet, in dem alle bekannten Briefe von und an Felder „in historischer Echtzeit“ zu lesen sind. Dadurch kann man einem Wunsch von Felix Mitterer entsprechen, der gemeint hat, man „sollte jeden Tag zehn Minuten Felder lesen“.

Allein dieser Blog ist eine ganz hervorragende Sache, mit der sich Jürgen Thaler besondere Verdienste erworben hat. Inzwischen gehört Thaler sicher zu den besten Felder-Kennern, was auch das von ihm konzipierte Felder-Museum in Schoppernau und der dazu aufgelegte Katalog belegt. Gemeinsam mit der Leiterin des Felder-Archivs, Ulrike Längle, hat Thaler nun auch eine Neuauflage des „Nümmamüllers“ betrieben, die im Schweizer Libelle Verlag herausgekommen ist. Es ist eine höchst willkommene Ausgabe, auch durch den ausführlichen Apparat und das Nachwort von Hermann Kinder. Das Buch wurde auf Wunsch des Franz-Michael-Felder-Vereins aufgelegt, der den Titel als Jahresgabe an seine Mitglieder gibt. Schon früher hatte der Libelle Verlag (mit Längle und Thaler) Felder-Titel herausgebracht: 2004 die Selbstbiografie „Aus meinem Leben“ und 2007 „Reich und Arm“, langsam gerät dieses Tun also zur Reihe.

Franz Michael Felder steht übrigens im kommenden Jahr (man gedenkt des 175. Geburtstages) im Mittelpunkt einer Ausstellung des Vorarlberger Landesmuseums, die auch von Jürgen Thaler kuratiert wird. Das letzte Mal hat sich das Museum 1969, zum 100. Todestag, mit Felder befasst. Und – zur Vollständigkeit – noch etwas zu Jürgen Thaler: Er ist ebenfalls Herausgeber des Jahrbuchs des FMF-Vereins, das dem Briefwechsel von Rudolf Wacker und seiner Frau mit Max Haller gewidmet ist. Eine spannende Brief-Edition, die gemeinsam mit Kathleen und Rudolf Sagmeister ediert wurde. Viel Lesestoff also!

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.

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