Meinung

Walter Fink

Gehen müssten sie in jedem Fall

Erstens mag man sich nicht mehr ständig über das Gleiche ärgern, und zweitens mag man sich deshalb mit der österreichischen Innenpolitik eigentlich nicht mehr auseinandersetzen. Denn da gibt es rein gar nichts mehr als Ärger, außer: Zorn, Wut, Aggression – und natürlich auch Ohnmacht, Hilflosigkeit. Sie tun nämlich in jedem Fall, was sie wollen. Sie täuschen das Volk, um nicht zu sagen, sie belügen uns nach Strich und Faden. Zuerst bauen sie in der Finanzpolitik der Nation Scheiße (man verzeihe den Ausdruck, aber es fällt mir kein treffenderer ein), gaukeln uns vor, dass alles in Ordnung sei, dann lassen sie sich wählen, und danach eröffnen sie uns, dass alles doch ganz anders gewesen ist. Es gibt nämlich, so sagen sie, „gegen alle Erwartungen“ ein Defizit von gut 24 Milliarden Euro, möglicherweise auch ein bisschen mehr, so 40 Milliarden vielleicht.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie haben uns bisher tatsächlich belogen – dann müssen sowohl Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) als auch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) aus moralischen Gründen zurücktreten. Die zweite Variante: Sie haben uns nicht belogen, haben tatsächlich nichts gewusst, dann ist das fast noch schlimmer, denn dann müssen sie wegen Unfähigkeit zurücktreten. Gehen müssten sie, wenn sie auch nur halbwegs Anstand hätten, in jedem Fall.

Das muss man sich einmal in einem Privatbetrieb vorstellen: Da verkalkuliert sich eine Geschäftsführung um etwa 25 Milliarden oder auch mehr – und dann tritt sie an, um das alles wieder zu reparieren. In jedem halbwegs vernünftigen Konzern würde man sie hochkantig hinauswerfen, wenn sie nicht schon längst selbst den Hut genommen hätten. Nicht so in unserer Politik: Da versauen sie den österreichischen Staatshaushalt, verschweigen uns vor der Wahl die Wahrheit über den katastrophalen Kassenstand, und dann erklären sie uns nach der Wahl, dass sie jetzt alles bestens verwalten werden.

Bis jetzt habe ich in solchen Situationen meist die Frage gestellt, ob die uns eigentlich für blöd halten. Nach langer Erfahrung mit den beiden „Großparteien“ sage ich das anders: Die halten uns tatsächlich für Idioten. Und wir beweisen bei fast allen Wahlen, dass sie damit nicht ganz falschliegen. Wie heißt es doch so schön: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.

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