Meinung

Walter Fink

Der Platz wird zum Treffpunkt

Es gibt keinen Zweifel mehr: Schon nach einer Woche Betrieb kann man sagen, dass der neue Kornmarktplatz in Bregenz wesentliche Bereicherung bringt. Selbst bei schlechtem Wetter, wie bei der Eröffnung oder am ersten Tag des New-Orleans-Festivals, funktioniert das. Es kommen die Menschen. Mag das jetzt noch Neugier sein, die anlockt, so wird das in Kürze zur Selbstverständlichkeit werden. So gesehen ist den planenden Architekten Carlo Baumschlager, Gerhard Hörburger und Helmut Kuess tatsächlich ein Wurf gelungen, ein Platz, der tatsächlich diesen Namen verdient. Mehr noch: Eine riesige, barrierefreie Begegnungszone im Herzen der Stadt, eine optische Verbindung zwischen den großen Kultureinrichtungen, eine Aufenthaltszone mit unterschiedlichstem gastronomischem Angebot. Dass das funktioniert, zeigt sich daran, dass sich an ganz gewöhnlichen Tagen die Menschen nicht an den Rändern des Platzes, sozusagen im Schutz der Häuser, bewegen, sondern, dass sie quer über den Platz gehen, ihn also im wahren Sinn des Wortes unter die Füße nehmen.

Der neue Kornmarkt gibt Bregenz ein Zentrum, er verleiht Urbanität – etwas, das der Landeshauptstadt bisher ja geradezu schmerzlich abgegangen ist. Vor allem: Dieses Zentrum ist an der richtigen Stelle, dort, wo die großen Kultureinrichtungen – das Landesmuseum, das Landestheater, das Kunsthaus – stehen. Hier hat die Stadt ihr historisches Zentrum, hier erfindet sie sich nun neu.

Alles also wunderbar? Das denn doch nicht. Die Grünanlagen von Landschaftsarchitekt Vogt sind für meinen Geschmack zu üppig ausgefallen, besonders mit den dichten Büschen. Vor allem aber: Der Stadtbus, der in Kürze über den Platz fahren soll, kann getrost abbestellt werden. Er ist nicht nur überflüssig, er zerstört auch das geschlossene Gefüge des Platzes. Er wird geradezu gefährlich für Fußgänger, die sich auf einen verkehrsfreien Platz eingestellt haben. Ich gehe noch weiter: Auch der Fahrradverkehr auf dem Platz gehört unterbunden. Wer in den vergangenen Tagen beobachtet hat, wie ganze Trupps über den Platz rasten, der weiß, wovon ich spreche. Schließlich: Ganz dringend muss sich die Stadt etwas mit dem Leutbühel überlegen. Denn dieser Randplatz geht sonst neben dem neuen Kornmarkt unter. Vor allem, wenn man dort so mickrige „Märktle“ wie in den vergangenen Tagen veranstaltet.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.

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