Atemberaubendes „Wettsingen“

von Fritz Jurmann
Das Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ bot mit Francesca Lombardi Mazzulli ein Programm voller Entdeckungen. Foto: JU
Das Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ bot mit Francesca Lombardi Mazzulli ein Programm voller Entdeckungen. Foto: JU

Barockorchester eröffnet mit einem Sonderkonzert neue Betätigungsfelder.

Götzis. Allein die Tatsache, dass das heimische Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ am Donnerstag in einem Sonderkonzert über das vierteilige Abonnement hinaus sein Stammpublikum AMBACH ein weiteres Mal zu mobilisieren verstand, zeigt, wie sehr diese Einrichtung fester Bestandteil unserer Kulturszene geworden ist. Ein Programm voller Entdeckungen mit einem in Höchstform befindlichen „CSM“ und zwei aufsehenerregende Debüts gaben diesem Abend, der für eine CD aufgezeichnet wurde, den besonderen Kick.

Fantasieland Arkadien

Es geht in diesem Programm mit dem Titel „Et in arcadi sum“ um das Fantasieland Arkadien, wo die Ideale einer heilen Welt verwirklicht werden. In einer bis heute bestehenden Accademia in Rom wirkten im 17. Jahrhundert auch Komponisten, die zu ihrer Zeit berühmt waren und dann samt ihrer Musik in Vergessenheit geraten sind wie ein Francesco Gasparini, Giuseppe Valentini oder Benedetto Marcello, die auch Fachleuten heute wenig sagen. Johannes Hämmerle hat manche ihrer Werke in Archiven von Neapel entdeckt und für sein Ensemble spielbar gemacht.

Der Barockexperte und Ö1-Moderator Bernhard Trebuch hat dieses Programm entwickelt, und über Betreiben von „CSM“-Organisator Bernhard Lampert auch die Qualitäten dieses Orchesters entdeckt und es zu den Barocktagen im Stift Melk eingeladen.

Die Musiker spielen in einer Mischung aus überschäumend riskanter Spielfreude und höchster Konzentration, technisch auf exzellentem Niveau. Christoph Hammer debütiert an diesem Abend als Leiter. Faszinierend, wie perfekt er die Continuo-Begleitung gestaltet, dabei doch immer wieder eine Hand frei hat, um wichtige Einsätze zu geben.

Die ebenfalls erstmals hier tätige italienische Sopranistin Francesca Lombardi Mazzulli verströmt eine solche Fülle an gestischen und stimmlichen Ausdrucksvarianten, dass man auch ohne weitere Programmeinführung mitbekommt, worum es geht: um so zeitlose Dinge wie Herz-Schmerz, die Liebe im Schäfermilieu, Lachen und Weinen, Leidenschaft und Tod. Wie sie mit großer Sinnlichkeit ihre wunderbar gerundete Stimme einsetzt, zwischen zartesten Regungen und dramatischer Attacke, mit unerschöpflichen Reserven und einer tollen Technik ausgestattet, das verlangt höchsten Respekt. Ihr Zugabe-„Wettsingen“ mit der Oboe von Shai Kribus in atemberaubenden Koloraturen braucht Vergleiche mit Kalibern der Szene wie Cecilia Bartoli nicht zu scheuen.

Hörfunk-Wiedergabe des Melk-Konzertes: 23. Mai, 10.05 Uhr, Ö1, nächstes Abo-Konzert: 21. Juni

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