Ein perfektes Duo und die Bilder von Chagall

Jürgen & Jürgen in meisterlicher Übereinstimmung. Foto: JU
Jürgen & Jürgen in meisterlicher Übereinstimmung. Foto: JU

Jürgen Natter und Jürgen Ellensohn boten höchst interessante Begegnungen.

altach. (VN-ju) Jürgen Natter versteht es als Kurator immer wieder, seine Konzerte durch Einbeziehung anderer Kunstgattungen spannend für das Publikum zu gestalten. Bei der Orgelsoiree in der Pfarrkirche waren das Glasarbeiten von Marc Chagall, die die Vorlage zu einer mitreißenden musikalischen Umsetzung durch Natter und seinen prominenten Gast boten, den seit 2005 als Solotrompeter beim Hessischen Radiosinfonieorchester tätigen Götzner Jürgen Ellensohn.

Perfekt eingespielt

Die Komposition „Okna“ (1976) von Petr Eben gab das Motto „Ostlicht“ dieses Abends vor. Sie geht auf Chagalls Arbeiten in der Synagoge des Hassadah-Spitals in Jerusalem zurück, die den zwölf Stämmen Israels gewidmet sind. Vier davon werden in ihrer ganzen Farbenpracht projiziert. Das blaue (Ruben) erfährt eine konfliktreiche Ausdeutung, das grüne (Issachar) wird meditativ beleuchtet, das rote (Zebulon) aufbrausend und das goldene (Levi) mit einem strahlenden Choral. Das Wort „Klang-Farben“ erhält damit eine völlig neue Deutung. Jürgen & Jürgen ist hier eine innert wenigen Tagen gemeinsamen Musizierens perfekt eingespielte Partnerschaft gelungen. Nicht weniger fordernd als dieses Finalwerk ist das Programm mit packender Musik des 20. Jahrhunderts. Das filmmusikartige „Warriors through Time“ von Brenton Broadstock setzt der mit Kriegssignalen schmetternden Trompete eine mit Zungenregistern gepanzerte Orgel entgegen, ein kurzes Thema erfährt in einem Variationenwerk (1986) von Kamilló Lendvay eine fantasievoll virtuose Ausdeutung. Bei alledem sind in Jürgen Ellensohns Spiel die Kraft im Ansatz, Atemtechnik und Ausdauer zu bewundern, abgesehen von seinem glänzenden Ton in vielen Schattierungen.

Jürgen Natter zieht an der Rieger-Orgel alle Register. So entstehen eine eindrucksvoll klar gestählte Orgel-Passacaglia von Schostakowitsch und eine übersichtlich gestaltete, subtile Improvisation über ein Waldthema von Glasunow.

Nächstes Konzert in der Pfarrkirche Altach: 31. Dezember,
21 bis 1 Uhr, Silvesternachtmusik

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