Meinung

Walter Fink

Ein Ort auch für neue Kunst

Von mir aus hätte man das neue Landesmuseum mit dem Bauvorhang von Karl Heinz Ströhle bedeckt lassen, den Vorhang zur Fassade machen können. Denn mit dieser Arbeit ist Ströhle etwas Wunderbares gelungen. Nun aber wurde von einem Teil des neuen Hauses, nämlich der Fläche zum Kornmarktplatz und der Westfassade zum Theater, der Vorhang entfernt.

Das Landesmuseum präsentiert sich damit erstmals mit seinem endgültigen „Gesicht“. Was ich mir aufgrund der bisherigen Kenntnis der neuen Fassade nicht so richtig vorstellen konnte, ist eingetroffen: Das Haus ist schlichtweg großartig. Und die gut 16.000 Abdrücke der PET-Flaschen, die mir auf einem Teil interessant, auf der gesamten Fläche aber zumindest schwierig schienen, zeigen sich nun als höchst ästhetische Möglichkeit der Gestaltung. Das Landesmuseum wird eine würdige architektonische Fortsetzung der Kulturmeile in Bregenz. Eine wirkliche Bewertung aber kann es natürlich erst geben, wenn sich das ganze Haus präsentiert.

Eines aber darf man bereits jetzt: Man darf das Land Vorarlberg loben, das hier – bei diesem Kulturbau mit besonderem Recht – die Idee von Kunst und Bau in verschiedenster Form prächtig umgesetzt hat. Das hat mit dem erwähnten Vorhang von Karl Heinz Ströhle begonnen, ebenfalls noch Teil der Bauphase war die „Kunst am Zaun“, am Bauzaun nämlich, von Maria Anwander, die alle Objekte des Museums via Titelschild öffentlich gemacht hat.

Doch jetzt ist das neue Museum mit der Fassade des Südtiroler Künstlers Manfred Alois Mayr, der die Grundidee gemeinsam mit den Architekten Cukrowicz/Nachbaur – was nicht selbstverständlich ist – entwickelt und die Positionierung der Abdrücke mit Urs B. Roth festgelegt hat, mehr als nur Ersatz für den „Verlust“ der Bau-Kunst am Bau. Darüber hinaus erging ein Auftrag an Arno Gisinger, der ein Fotoessay über den Bau bearbeitet. Und schließlich wird es noch etwas Besonders geben, nämlich den Panoramaraum von Florian Pumhösl (der in der kommenden Woche auch im Kunsthaus ausstellen wird) im obersten Stockwerk, der ein Fenster zum See zum Bild werden lässt. Das alles hat man sich beim Land einfallen lassen, das haben die Architekten mitgetragen – und so könnte das neue Landesmuseum nicht nur ein Ort für die alte, sondern auch ein besonderer für die neue Kunst werden.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.

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