Asyl der Weltflüchtlinge

Autor Peter Handke Foto: APA
Autor Peter Handke Foto: APA

Die Toilette als Gegenstand philosophischer Betrachtungen – das ist einmal etwas Neues.

Essay. Von Peter Handke hätte man manches erwartet, aber nicht unbedingt ein Buch über Toiletten. „Versuch über den Stillen Ort“ heißt der jetzt erschienene Band von gut 100 Seiten. Um es vorwegzunehmen: Der Versuch ist gelungen. Handke lässt seinen Leser nicht nur schmunzeln, er lässt ihn über sein Verhältnis zur Welt nachdenken. Und das ist schon ein Kunststückchen. Der Dichter nähert sich dem Gegenstand vom Wort her: Der „Stille Ort“ – er schreibt ihn wie einen Eigennamen groß – impliziert ja eine Stätte des Schweigens, eine Rückzugsmöglichkeit. Geräusche mag es hier zwar auch geben, aber sie „tun nichts zur Sache“. Handke verweigert sich jedem Pennälerhumor, der bei einem solchen Thema heute fast erwartet wird.

Klo oder Klause

Die Toilette ist ein Ort, an dem man sich vor der Welt verschließt. Es gibt viele Menschen, die die Toilettentür auch dann gewohnheitsmäßig verriegeln, wenn sie allein in der Wohnung sind und eine Störung folglich nicht zu befürchten hätten. Klo kommt von Klosett, was „abgeschlossener Raum“ bedeutet, und ist mit der „Klause“ verwandt, welche der Duden definiert als „Behausung eines Einsiedlers“, „Klosterzelle“, „Ort des Ungestörtseins“ oder auch „Bergschlucht“.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass gerade der oftmals heftig angefeindete Handke dem Stillen Ort große Sympathie entgegenbringt. Der kleine Raum bietet jedem Weltflüchtling willkommenes Asyl – „Ich muss mal kurz wohin“, sagt man ja und ist dann verschwunden.

Peter Handke: „Versuch über den Stillen Ort“, Verlag Suhrkamp

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