VN-Interview. Wolfgang Schwendinger (56) gründete vor 20 Jahren den Kornmarktchor

In jedem Abschied steckt ein Anfang

von Fritz Jurmann
Mit 35 Chormitgliedern tritt Wolfgang Schwendinger nun wieder in Herz Jesu auf. Foto: VN/Ju
Mit 35 Chormitgliedern tritt Wolfgang Schwendinger nun wieder in Herz Jesu auf. Foto: VN/Ju

Aus dem einstigen Opernchor ist inzwischen ein Konzertchor geworden.

Die Gründung des Kornmarktchors hat ihre Ursprünge eigentlich in Wien.

Schwendinger: Ich hatte den Chor-Virus immer in mir, schon als Bub im Marianum, als man mich vor die Klasse gestellt hat. Ich hatte nicht den Mut, in Wien Musik zu studieren, bin aber bereits im Beruf als Lehrer mit 33 noch zum Bundesheer eingezogen worden, und der Weg führte mich über die Gardemusik Wien zum Arnold Schoenberg Chor.

Also eine Art „Sabbat-Jahr“, in dem Sie von Erwin Ortner geprägt wurden?

Schwendinger: Ja, er ist für mich die Leitfigur, der „Chor-Papst“. Ich durfte oft mitwirken und habe bei seinen Projekten von Barock bis Modern am meisten gelernt. Am Ende war ich so „aufgeladen“, dass ich nach meiner Rückkehr so etwas wie den Schoenberg Chor auch bei uns verwirklichen wollte, natürlich bescheidener.

Da kam Ihnen entgegen, dass damals die jährlichen Musiktheaterproduktionen zwischen Landestheater und Symphonieorchester begonnen haben?

Schwendinger: Ja, man hat für die Chöre in Rossinis „La Cenerentola“ einen Leiter gesucht und mich gefragt, ob ich eine Chorprobe übernehmen könnte. Ich war natürlich Feuer und Flamme, und seit damals bin ich im Geschäft.

Sie haben damals zum ersten Mal im Land die heute vielfach übliche Form des „Projektchores“ verwirklicht.

Schwendinger: Ja, Christoph Eberle als musikalischer Leiter der Opernproduktionen hat natürlich auch vom Chor höchstmögliche Qualität verlangt, und so habe ich mir bekannte Leute angefragt, die zum großen Teil auch eine professionelle Ausbildung hatten und so wie ich für die Sache zu begeistern waren.

Gab es Erfolge, an die Sie sich noch zurückerinnern?

Schwendinger: Einer unserer größten Erfolge neben den jährlichen Theaterproduktio­nen war, dass uns damals Gerd Nachbauer eingeladen hat zu Beethovens „Neunter“ und seiner „Missa solemnis“ bei der Schubertiade, das war eine Herausforderung, ebenso Haydns „Schöpfung“ mit dem SOV. Ab 2002 kamen auch die Festspiele mit den Opern am Kornmarkt hinzu. Insgesamt haben wir im Land 21 Mal Oper gespielt.

Eine Theater-Anekdote aus Ihrer Erinnerung?

Schwendinger: Bei der letzten Aufführung einer Produktion werden traditionsgemäß kleine Scherze eingebaut. In Rossinis „La Cenerentola“ sollten laut Regie einige von uns zwei bis drei Papierflieger basteln und in Richtung Prinz schleudern. Bei der Dernière wurde daraus dann ein Geschwader von gezählten 42 Fliegern!

Mittlerweile hat der Bregenzer Festspielchor unter Benjamin Lack diese Aufgabe übernommen – was ist da passiert?

Schwendinger: Die Regisseure haben immer mehr szenische Proben verlangt, und bei aller Spielfreude meiner Leute konnten viele das zeitlich nicht mehr mit ihren beruflichen Anforderungen vereinbaren. So sind wir am Theater ausgestiegen und haben als Konzertchor neue Aufgaben gefunden.

Hatte Ihr Abgang vom Theater auch etwas mit dem Rückzug von Christoph Eberle als Chefdirigent des SOV zu tun?

Schwendinger: Natürlich, wir waren mit ihm durch die vielen Jahre doch sehr verbunden. Und unser „Opa“ war Theater-Intendant Bruno Felix, der uns nach Kräften gefördert hat. Aber das Ganze ist nun Geschichte – eine schöne Geschichte!

Sie feiern das 20-Jahr-Jubiläum mit Rossinis opernhaftem „Stabat Mater“ – warum so viel Schmerz zu diesem Anlass?

Schwendinger: Rossini stand bei uns am Beginn – der Kreis schließt sich also. Und das Werk ist von den Sängern begeistert aufgenommen worden. Natürlich ist der Inhalt traurig, trotzdem hat Rossini so viele fröhliche Momente in seiner Musik.

Jubiläumskonzert: 21. Oktober,
17 Uhr, Bregenz, Herz-Jesu-Kirche – „Stabat Mater“ von Rossini, Leitung Wolfgang Schwendinger

Opern und Operetten des Kornmarktchors

Landestheater

1992 Verdi „La Traviata“

1993 Mozart „Die Entführung aus dem Serail“

1994 Puccini „La Bohème“

1995 Strauß „Die Fledermaus“

1996 Verdi „Rigoletto“

1997 Rossini „La Cenerentola“

1998 Mascagni „Cavalleria rusticana/Bajazzo“

1999 Mozart „Die Hochzeit des Figaro“

2000 Puccini „Tosca“

2001 Mozart „Don Giovanni“

2001 Humperdinck „Hänsel und Gretel“

2003 Donizetti „Don Pasquale“

2004 Puccini „Madama Butterfly“

2005 Loewe „My fair Lady“

2007 Purcell „Fairy Queen“

2008 Weber „Der Freischütz“

Bregenzer Festspiele

2002 Martinú „Julietta“

2004 Weill „Der Kuhhandel“

2005 Strauß „Der lustige Krieg“

2006 Offenbach „Blaubart“

2007 Britten „Paul Bunyan“

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