Frankfurter Buchmesse. Wie die östererichische Literatur auf der weltgrößten Bücherschau wahrgenommen wird

Ein Triumph des literarischen Buches

Damit dieses Glück mehr Menschen zuteil wird, richteten Österreichs Verleger einen Appell an die Politik, die Fördermittel zu erhöhen. Foto: aP
Damit dieses Glück mehr Menschen zuteil wird, richteten Österreichs Verleger einen Appell an die Politik, die Fördermittel zu erhöhen. Foto: aP

Der Verlag Jung und Jung hat zu feiern, ansonsten gibt sich Österreich pragmatisch.

Frankfurt/Main. Die in Berlin lebende Ursula Krechel bekam für ihren Roman „Landgericht“ den Deutschen Buchpreis verliehen, der für den Buchhandel und damit für den Verkauf in den letzten Jahren eine enorme Bedeutung gewonnen hat. Erstaunlicher noch, dass das Buch nicht bei einem großen deutschen Verlag erschienen ist, sondern beim Salzburger Jung und Jung Verlag des Autors und Verlegers Jochen Jung.

Natürlich, Jochen Jung ist keine unbekannte Größe im Literaturbetrieb, vor Jahren führte er den damals renommiertesten österreichischen Verlag, Residenz, bis er sich um 2000 selbstständig machte. Mit dem diesjährigen Buchpreis gelang ihm aber endgültig eine „verlegerische Großtat“, wie Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen und Autoren auf der Messe kommentierte, schließlich gewann mit „Tauben fliegen auf“ von Melinda Nadj Abonji vor zwei Jahren ebenfalls ein Buch aus dem Jung und Jung Verlag.

„Es ist ein Triumph des literarischen Buches“, erläutert dann Gerhard Ruiss nach einer Weile, „ein Zeichen der Jury, die damit verlegerische Sorgfalt fördert und eben nicht ,gemachte‘ Bücher, wie sie bei den großen Verlagen in den letzten Jahren manchmal üblich geworden sind, fördert, sondern eben das ungewöhnliche, literarischere Buch. Jochen Jung selbst nutzte seine Rede im Rahmen eines Empfangs am Stand des Hauptverbands des österreichischen Buchhandels, um bei Ministerin Claudia Schmied im Namen aller österreichischen Verlage den Wunsch zu deponieren, mehr Fördermittel zur Verfügung zu stellen, denn letzten Endes sei es die Art der Verlagsförderung, wie es sie in Österreich gibt, die solche Erfolge wie den Buchpreis für einen österreichischen Verlag erst ermögliche.

Irgendwie erinnert die Diskussion, die sich an einzelne Erfolge knüpft, an andere Beispiele der letzten Jahre, etwa nach der Verleihung des Auslandsoscars oder heuer nach dem Sieg von Michael Haneke bei den Filmfestspielen in Cannes. Vor Jahren, als Elfriede Jelinek den Nobelpreis bekam, reichte diese Auszeichnung, um nicht mehr in der Kronen Zeitung als Nestbeschmutzerin beschimpft zu werden, an den Arbeitsbedingungen der österreichischen Verlage und der Autorinnen und Autoren änderte das – so wird es auch heuer mit dem Buchpreis sein – wenig.

„Freilauf mit Bodenhaltung“

Ansonsten geben sich die österreichischen Verlage pragmatisch bis optimistisch, ambitionierte Programme wie jene des Milena oder des Luftschacht Verlags werden gut wahrgenommen, die Verlage, die das populäre Sachbuch oder literaturwissenschaftliche Bücher im Programm haben (der Sonderzahl Verlag etwa, oder Promedia) verkaufen sich gerade in deutschen Buchhandlungen konstant. Die österreichischen Verlage sind so mehr als ihre Teile, mehr als ein einzelner Buchpreis oder ein einzelner Verlag. Frankfurt ist für die Verleger auch „Freilauf mit Bodenhaltung“, wie Stefan Buchberger vom Luftschacht Verlag die Stimmung in den Gängen und Hallen kommentierte. Jede verlegerische Großtat beginnt eben mit einfachen Sätzen.

Die Frankfurter Buchmesse dauert noch bis 14. Oktober. Am Samstag und Sonntag ist sie für das allgemeine Publikum zugänglich

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