Mit einem Jubelschrei des Publikums

von Fritz Jurmann
Aaron Pilsan hat Schuberts Welt im Innersten verstanden. Foto: Schubertiade
Aaron Pilsan hat Schuberts Welt im Innersten verstanden. Foto: Schubertiade

Dornbirner Pianist Aaron Pilsan machte beim Schubertiade-Debüt gleich alles klar.

Hohenems. Aaron hier – Aaron dort. An dem jungen Klavier-Ausnahmetalent aus Dornbirn kommt derzeit keiner vorbei, seine Präsenz auf Vorarlbergs Konzertpodien erreicht mittlerweile eine bemerkenswerte Dichte. Nach seinem Festspiel-Debüt im Sommer hat er nun auch die Schubertiade erobert, die ihn im Zyklus „Referenzen“ in eine Reihe mit anderen viel versprechenden Klassik-Youngsters stellte. Sein Recital am Sonntagabend im ausverkauften Markus-Sittikus-Saal wies Aaron Pilsan auf Anhieb als glänzenden Schubert-Interpreten aus. Ein Markstein in der jungen Karriere.

Eine neue Seite im Repertoire des jungen Künstlers, denn noch niemals hat Pilsan bisher Werke von Franz Schubert gespielt. Und nun gleich einen ganzen Abend lang Schubert pur, noch dazu am Beginn eines fünftägigen Klavierfestivals der Schubertiade mit „großen Klavierwerken“ des Meisters und zusammen mit Kalibern wie Paul Lewis. Eine gewaltige Anforderung also für den erst 17-Jährigen, der diesen Marsch zum Gipfel mit aller Ruhe angeht, auch im Bewusstsein einer soliden Vorbereitung, die nach seinem mehrjährigen künstlerischen Mentor Karl-Heinz Kämmerling neuerdings bei Vassilia Efstathiadou an der Hochschule Hannover liegt.

Wie selbstverständlich

Schon die ersten Takte der frühen, wenig bekannten fünfsätzigen E-Dur-Sonate, die er wie selbstverständlich aus dem Steinway zaubert, verraten beste Brendel-Tradition, der ihn in Meisterkursen mit geprägt hat. Schubert war gerade ein Jahr älter als der Pianist, als er dieses Werk voller Geheimnisse schrieb. Pilsan geht ihnen auf den Grund, man merkt: Er hat Schuberts Welt im Innersten verstanden, überzeugt mit sanglichem Spiel, unaufgeregt ganz aus einem natürlichen Fluss heraus.

Die sechs „Moments musicaux“ hat kürzlich der etwas ältere und weit berühmtere Martin Stadtfeld in Schwarzenberg „zerhackt“ (VN-Rezension vom 8. September). Pilsan zeigt, wie’s geht: kantabel, tänzerisch, ohne falsche pathetische Gewichtung. Das Publikum ist sich bald sicher, einer besonderen Geburtsstunde beizuwohnen und wird darin bestärkt. Den 16 „Deutschen Tänzen“, die vor bekannten Melodien nur so strotzen, gewährt Pilsan sehr viel farblichen und agogischen Spielraum, gestaltet die 15 Minuten Dreivierteltakt damit äußerst lebendig und abwechslungsreich. Und hat danach noch genügend Kraft und Ausdauer für den Olymp dieses denkwürdigen Abends, den er mit Mut und ohne Umschweife erobert: Schuberts „Wandererfantasie“, technisch und gestalterisch ein Gipfelwerk der Klavierliteratur. Und da zeigt sich nun auch Pilsans Reife, die er mit ins Spiel einbringt, wenn er den gewaltigen Kosmos dieser genialen Liedvariationen geistig auslotet, dazu ein pianistisch höchst treffsicheres Feuerwerk entfacht und sich ab der vertrackten Schlussfuge selber wie in einen Klangrausch hineinspielt. Ein Jubelschrei des Publikums und Standing Ovations sind die Folgen.

Der Schubertiade-Zyklus „Schuberts große Klavierwerke“ dauert noch bis 11. Oktober

Aaron Pilsan spielt bei der VN-„Ma hilft“-Gala

(VN-cd) Für die ­diesjährige Gala der Sozialaktion „Ma hilft“ der Vorarlberger Nachrichten wurde ein außergewöhnliches Programm zusammengestellt. Neben Aaron Pilsan (geb. 1995) werden weitere drei der erfolgreichsten Preisträger aus der Region gemeinsam in einem Konzert auftreten. Das sind der Cellist Kian Soltani (geb. 1992), die Geigerin Sara Domjanic (geb. 1997) und der Cellist Moritz Huemer (geb. 1999). Der bekannte österreichische Pianist und Dirigent Florian Krumpöck wird das erst vor kurzer Zeit gegründete Sinfonieorchester Liechtenstein leiten.

Das Konzert mit Werken von Saint-Saens, Mendelssohn-Bartholdy, Tschaikow­sky, Beethoven und anderen garantiert Musikgenuss und anspruchsvolle Begegnungen mit den jungen Spitzensolisten. Die Gala findet am 2. Dezember, um 17 Uhr, im Festspielhaus Bregenz statt und wird noch eigens angekündigt.

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