Ein „Happy Birthday“ voll Perfektion und barocker Pracht

von Fritz Jurmann
Concerto Stella Matutina feierte fünfjähriges Bestehen. Foto: JU
Concerto Stella Matutina feierte fünfjähriges Bestehen. Foto: JU

Beim Jubiläumskonzert des Concerto Stella Matutina hat rundum alles gestimmt.

Götzis. Ein Programm, das durch Festlichkeit, Vielfalt und theatralische Dramatik faszinierte, und als „Jubilar“ das heimische Barockorchester Concerto Stella Matutina, das all dies auf bisher kaum gekanntem atemberaubenden Niveau umsetzte, wurde vom 500-köpfigen Publikum in der ausverkauften Kulturbühne AMBACH mit Begeisterung aufgenommen.

20 Abo-Konzertprojekte in fünf Jahren mit inzwischen 350 festen Abonnenten (davon 20 für Kinder) in einer zuvor in Sachen Barock brachliegenden Region plus vielen Auslandskonzerten – das sind die äußeren Eckdaten der Erfolgsgeschichte von „CSM“. Dahinter stecken Dinge wie die Ausdauer von Trompeter Bernhard Lampert, der sich um Organisation und Finanzierung buchstäblich „die Haxen ausrannte“. Auch die international gestählte Kompetenz von Konzertmeisterin Silvia Schweinberger im Erarbeiten eines eigenen Originalklanges auf den oft tückischen alten Instrumenten und einer Programmwahl, die das Publikum mit missionarischem Eifer davon überzeugen konnte, dass sich Barock keineswegs im stets gleichen Gedröhne von Pauken und Trompeten erschöpfen muss. Deswegen, so Cembalist Johannes Hämmerle an das Publikum, gelte es auch weniger das Jubiläum an sich zu feiern, sondern die Entwicklung von „CSM“ in diesen fünf Jahren, die man auch den treuen Zuhörern danke.

Da kommt die Musik also noch aus lauterem Herzen und mit der inzwischen schon legendär gewordenen Spielfreude, die gerade zu diesem Anlass mehr denn je spürbar ist.

28 Musiker ohne Dirigent

Sie findet ihren Ausdruck in drei großen, prächtigen Suiten von sehr verschiedenem Zuschnitt in Herkunft, Entstehungszeit und Besetzung. Purcells „The Fairy Queen“ (London 1692) ist eine abwechslungsreiche Abfolge packender Tanzsätze, Rameaus charmante „Les Boréades ou le triumph d’Abaris“ (Paris 1763) weist in gewagten Wendungen deutlich in die Zukunft. Dies alles wird jedoch getoppt durch die festlichste aller Musiken zu solchen Jubiläen, Händels „Feuerwerksmusik“ (London 1749), die unglaubliche Klangenergien und Echowirkungen im Saal entfaltet und trotz größtmöglicher Besetzung in der Geschichte des „CSM“ mit 28 Musikern auch ohne Dirigenten perfekt funktioniert. Der schon früher erfolgreich hier tätige charismatische italienische Oboist Alfredo Bernardini, den man sich diesmal als Leiter angelacht hat, gibt eigentlich nur die Einsätze und bläst im Übrigen aus voller Kehle mit. Die übermütige Rameau-Zugabe schließlich kann man sogar als eine Art barockes „Happy Birthday“ durchgehen lassen.

Hörfunkwiedergabe: 11. November, 20.05, Radio Vorarlberg. Viertes Abo-Konzert am 20. Dezember, 20 Uhr mit dem Weihnachtsoratorium und Kantaten von Bach

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