„Es geht nicht um das Maximum“

von Dietmar Hofer
Herbert Loos: „Unternehmer fehlen oft die Glücksmomente.“
Herbert Loos: „Unternehmer fehlen oft die Glücksmomente.“

Glückliche Chefs wirken sich auf das Unternehmen und die Mitarbeiter positiv aus.

DORNBIRN. So mancher mag sich vielleicht noch an die gelben Reclam-Büchlein erinnern, mit denen er in der Schulzeit mit Schiller, Goethe oder Kleist zwangsbeglückt wurde. 250 davon hat Herbert Loos vor wenigen Tagen eingepackt in einem blauen Umschlag an Firmenchefs verschickt. Wer ihn aufklappt, findet darin Gottfried Kellers Novelle „Der Schmied seines Glückes“. Was der Dornbirner Unternehmensberater damit bezwecken will? „Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass für jeden Unternehmer einmal der Punkt kommt, wo er seine Prioritäten neu verteilt. Stand früher die Firma im Mittelpunkt, möchte man plötzlich mehr Zeit für Familie und Freunde und natürlich für sich selbst haben.“

Was kommt noch?

Vor allem in der Lebensmitte stellen sich viele erfolgreich Selbstständige die Frage, was jetzt noch kommen soll. Für den 47-Jährigen ist dies der Anfang eines Bewusstseins-Prozesses, der neues Potenzial entfacht. „Es geht nicht mehr um das Maximum, sondern das Optimum“, liegt für Loos in dieser sprachlichen Differenz ein großer Unterschied. Denn obwohl der wirtschaftliche und damit auch der berufliche Erfolg gegeben ist, fehlt oftmals vor allem eines: „Das Glücksgefühl“, spricht er es offen aus. Und vielfach leiden Firmenbosse auch darunter, dass sie zwar als Unternehmer respektiert, aber zu wenig als Mensch betrachtet werden. Dabei unterscheiden sich die Alltagsprobleme eines Chefs eigentlich nicht wesentlich von denen Angestellter.

„Allerdings kommt es schlecht, wenn der Chef seine Launen auf die Mitarbeiter auslässt“, rät Herbert Loos, unbedingt eine gewisse Distanz zu bewahren – vor allem was das Private betrifft. Wer jedoch selbst den Spirit verloren hat, tut sich schwer, bei den anderen eine Begeisterung zu wecken.

Verwirklichung von Freiräumen

Umgekehrt wirken sich demnach glückliche Chefs durchaus positiv auf das Unternehmen und die Mitarbeiter aus. Herbert Loos, mit Reinhard Decker gemeinsam Teil von Loos & Partner, hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Unternehmer bei der Verwirklichung ihrer Freiräume und bei der Umsetzung neuer Ideen zu unterstützen. Etwa wie es gelingt, Unternehmen zu „verselbstständigen“. Schubladisierte Konzepte gibt es dafür freilich nicht, sondern nur Strategien, die eine gewisse Beharrlichkeit voraussetzen und auch einfordern. Aber auch Glücksritter Johannes Kabis brauchte in Kellers Novelle seine Zeit, ehe er sein Glück letztlich in einer alten Nagelschmiede fand.

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