Braune Blechhülle für Alt und Neu

Wolfgang Ritsch hat das aus den 1980er-Jahren stammende Feuerwehrhaus
von Schlins für die Anforderungen von heute fit gemacht. Ein komplexer
Um- und Weiterbau, der sich aus unterschiedlichen Gründen
als große Herausforderung herausstellen sollte.

Obwohl Feuerwehrhäuser eigentlich nicht alltägliche Aufgaben für einen Architekten sind, hat Wolfgang Ritsch schon einige gebaut. Eine ganz kleines etwa in Düns und eine großes in Dornbirn, um das von Schlins nun um- bzw. weiterzubauen. Die Herausforderung sei es gewesen, Alt und Neu in eine große logische Form zu bringen, sagt Ritsch. Noch dazu, da die Kürze der Bauzeit und die Kosten für die kleine Gemeinde zentrale Themen waren, was etwa die ursprünglich geplante Holzfassade nicht realisierbar machte. Stattdessen wurde ein feines braunes Trapezblech über das gesamte Gebäude gestülpt. Über die Kernsubstanz, die erhalten geblieben ist, genauso wie über die massiv aus Stahlbeton bzw. Holz gebauten neuen Teile.

Auch während des Umbaus musste die Feuerwehr immer einsatzbereit sein. So konnten die Bau­arbeiten nur in Etappen abge­wickelt werden, was eine große logistische Herausforderung für Architekt und Gewerken darstellte. Obwohl die rund 50 aktiven Feuerwehrler von Schlins – davon eine Frau –
durchschnittlich zum Glück „nur“ ein bis zweimal monatlich ausrücken müssen. Da sich nicht zuletzt durch den Zuzug mehrerer großer Firmen die Anforderungen an die Feuerwehr in den letzten Jahren allerdings stark geändert haben, wurde das zentral direkt an der Landesstraße stehende Gebäude dennoch zu klein.

Aus einer ursprünglich bei Wolfgang Ritsch Architekten in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie ist schließlich der konkrete Planungsauftrag für den Um- bzw. Weiterbau des Feuerwehrhauses geworden. Zu einem vielfach gegliederten Baukörper, der trotz seiner zahlreichen Vor- und Rücksprünge maßstäblich ausgeklügelt als stimmige Einheit daherkommt. Vom bestehenden Gebäude erhalten wurden das zentrale Stiegenhaus ebenso wie die viereinhalb Meter hohe, durch riesige transparente Falttore öffen- bzw. schließbare Fahrzeughalle. Sie wurde allerdings verdoppelt, weshalb hier statt früher zwei, nun vier große Feuerwehrautos Platz haben.

Komplett neu gebaut wurde der Trakt rechts des verglasten Haupteingangs genauso wie der etwa zwölf Meter hohe Turm, in dem nicht nur die Schläuche getrocknet werden, sondern der auch als Ort für Kletter- und Abseilübungen für die Nachwuchsfeuerwehrler ideal ist. Und dem Baukörper auch seine sehr spezielle, weithin sichtbare Identität verleiht.

Im zweigeschoßigen neuen Trakt finden sich neben Büros, einem Kommando- und Bereitschaftsraum, einem Steuerraum für den Hochwasserschutz, neuen WCs sowie einem Raum für die jungen Kollegen auch ein rund 130 Quadratmeter großer Schulungsraum mit einer angenehmen Raumhöhe von 3,20 Metern. Er nimmt einen großen Teil des oberen Geschoßes ein, zur Straße wie Rückseite hin geöffnet durch riesige Fenster bzw. einem in den Baukörper hineingezogenen, mit glattem braunem Blech verkleideten Fluchtbalkon, über den sich besonders die Raucher freuen. Neben diesem multifunktional nutzbaren, unkompliziert teilbaren Raum mit seiner hölzernen Decke lag bereits im Altbestand eine kleine Küche, buffetartig öffenbar durch ein hölzernes Schiebe-
element zum Saal.

Im rückwärtigen Bereich sind diverse Werkstätten – auch für die Feuerwehren der Umgebung – eingerichtet, im Untergeschoß benutzerfreundlich über eine Rampe erschlossene Lager- und Technikräume, aber auch die Bekleidungskammer und die Umkleide für den Nachwuchs. Ein zusätzliches Lager befindet sich in dem langen flachen Holzbau, der rückseitig an die Fahrzeughalle angedockt wurde. Die Farbe Rot spielt – wie es sich für ein Feurwehrhaus gehört – im Innern eine zentrale Rolle. Der Lift, der alle drei Ebenen verbindet, ist genauso rot wie die Spinde in den Umkleiden und die inneren Rahmen der Fenster.

Worauf es letztlich bei einem Feuerwehrhaus allerdings ankommt, ist die Perfektion der Abläufe während eines Einsatzes. Und das scheint in Schlins wunderbar zu funktionieren. Aber beim fünften Feuerwehrhaus, das man geplant hat, weiß man das einfach, sagt Wolfgang Ritsch.

„Die große Kunst war es, Alt und Neu in eine große logische Form zu bringen.“

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