Meinung

Marlies Mohr

Quellen der Zuversicht

Die Zuversicht ist zu einem raren Gut geworden. Darauf lassen zumindest die zum Jahreswechsel traditionellen Umfragen schließen. Denen zufolge sehen nur noch 28 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher mit Zuversicht dem neuen Jahr entgegen. Für 2020 lag der Wert noch bei 60 Prozent. Dann kam Corona, der Rest ist Geschichte. Niemand kann den Menschen die Skepsis verdenken. Zu viel ist geschehen, zu viel bei vielen kaputtgegangen. Wie oft wurde die Zuversicht bemüht, wie oft war sie vergebens. Ich stelle mir den Begriff manchmal als scharfkantigen Stein vor, an dem sich hoffende Hände festklammern können, der vom vielen Gebrauch inzwischen aber so abgeschliffen ist wie ein Sandkorn vom täglichen Kampf mit den Wellen. Glatt. Rutschig. Der Stein der Zuversicht hält nicht mehr.

Es geschehen lassen? Nein! Wir suchen uns einen neuen Stein, einen mit Ecken und Kanten. Meine Quellen der Zuversicht sind besondere Augen- und profane Ausblicke, wobei ich Erstere bevorzuge. Sie erweisen sich zwar meist als recht kurzlebig, doch sie hallen eindrücklich nach. Im Herzen. In der Seele. Es war an einem der letzten Tage in diesem Jahr und ich frühmorgens mit dem Hund unterwegs. Am nördlichen Horizont hing prall und rund der Mond. Vom Wind zerzauste Wolken umschmeichelten ihn, zauberten Muster in sein gleißendes Licht, das jedoch nach und nach schwächer wurde, bis nur noch leuchtende Schatten auf dem dichter werdenden Gewölk von der Präsenz des Gestirns zeugten. Ein schönes Schauspiel, das ich meiner inneren Bildersammlung mit Freuden hinzufügte.

Bleibt noch der profane Teil der Zuversicht. Den liefern mir derzeit schnöde Litfaßsäulen. Dort werden nach Monaten, in denen sie nutzlos und leer ihr Dasein fristeten, nämlich schon wieder Konzertveranstaltungen beworben. Ab April soll es losgehen. Glauben wir doch einfach daran und dass 2021 trotz allem ein gutes Jahr wird. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine geballte Ladung an Zuversicht.

Marlies Mohr

marlies.mohr@vn.at

05572 501-385

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