Aktiv und selbstständig bis ins hohe Alter

Unter fachlicher Anleitung wird das jeweils individuelle Trainingsprogramm eingeübt. Dann müssen die Senioren selbst ran.  SV/marcel hagen

Unter fachlicher Anleitung wird das jeweils individuelle Trainingsprogramm eingeübt. Dann müssen die Senioren selbst ran.  SV/marcel hagen

Sturzpräventionsprogramm Otago für hochbetagte Menschen wirkt.

Dornbirn Alters- und krankheitstypische Prozesse führen bei älteren Menschen häufig zu Stürzen und oftmals auch in die Pflegebedürftigkeit. Auch die Angst vor einem Sturz führt nicht selten zu Einschränkungen der individuellen Lebensgestaltung. Fast zwei Drittel der Stürze von Personen ab einem Alter von 65 finden auf einer Ebene statt und gelten somit grundsätzlich als vermeidbar. Einen wichtigen Beitrag dazu kann das aus Neuseeland stammende Trainingsprogramm Otago leisten. Die Bilanz nach dem Ende des Pilotprojekts fiel jedenfalls positiv aus. Nun wird es als Standardprogramm weitergeführt.

Großer Nutzen

Otago baut auf der Erkenntnis auf, dass Defizite in Beweglichkeit, Kraft, Balance und Reaktionszeit jene Sturzrisikofaktoren darstellen, die am leichtesten zu beeinflussen sind. Ein halbes Jahr lang werden dazu betagte Menschen in ihrem eigenen Heim mit einem speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Trainingsprogramm betreut. Nach einem Erstgespräch und Aufnahmebefund erhält jeder Teilnehmer sein individuelles Trainingsprogramm, welches in regelmäßigen Abständen adaptiert wird. „Gezielte Sturzprävention erweist sich in mehrfacher Hinsicht als besonders bedeutsam und trägt nicht zuletzt dazu bei, das Sturzrisiko und sturzbedingte Verletzungen sowie damit verbundene Belastungen für das Gesundheitswesen zu verringern“, bekräftigt auch Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher den großen Nutzen.

Umgesetzt wurde das Pilotprojekt von Mitarbeitenden der Mobilen Hilfsdienste. Insgesamt 21 Mohi-Beschäftigte von 10 verschiedenen Ortsstellen ließen sich dafür zu Otago-Übungsleitern ausbilden. Sie haben während der dreijährigen Pilotphase 273 Personen mit rund 1800 Einsatzstunden begleitet. Simone Bemetz-Kochhafen, Geschäftsführerin der ARGE Mobile Hilfsdienste, bilanziert: „Das Sturzpräventionstraining ist eine Erweiterung unseres Angebots, das sich sehr gut bewährt hat. Unsere Helfenden erwerben zusätzliche Kompetenzen und können ihre Klienten nun noch mehr darin unterstützen, mobiler und somit selbstständiger zu werden. Wir freuen uns auf die Weiterführung und den Ausbau des Programms“, sagt Bemetz-Kochhafen.

Die positive Wirkung des Otago-Programms wurde schon in vielen internationalen Studien beschrieben. Elementar dabei ist die Motivation der Senioren. Dies unterstreicht auch der Geschäftsführer von Sicheres Vorarlberg, Mario Amann: „Wir können den älteren Menschen in Form einer fachlichen Begleitung zwar die Plattform bieten, aber der Erfolg liegt in der eigenen Verantwortung.“ So muss das Erlernte in der Zeit zwischen den Hausbesuchen der Übungsleiter selbstständig und regelmäßig absolviert werden. „Dass es funktioniert, zeigen die vielen positiven Beispiele der vergangenen drei Jahre“, so Amann weiter.

Vom Pilotprojekt zum Programm

Das Pilotprojekt wurde von der Fachhochschule Vorarlberg wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Insgesamt wird das Projekt als sehr gelungen und die Verortung bei den Mobilen Hilfsdiensten als äußerst gut bewertet. „Die erfreulichen Ergebnisse sind Anlass, Otago als Standardprogramm weiterzuführen. Deshalb werden im kommenden Jahr zwölf zusätzliche Trainerinnen und Trainer ausgebildet damit noch mehr Senioren dieses wertvolle Angebot in Anspruch nehmen können“, kündigte Landesrätin Rüscher an. Neu sind unter anderem vermehrt Hausbesuche anstelle von Telefonaten geplant.

Informationen

Wer darf teilnehmen? Selbstständig lebende Seniorinnen und Senioren, die sich nicht mehr ganz sicher fühlen und zum Beispiel beim Gehen einen Stock oder Rollator benötigen. Es gilt auch für jene, die Schwierigkeiten haben, ihre Wohnung alleine zu verlassen oder im vergangenen Jahr mehr als einmal gestürzt sind.

Wie ist das Programm finanziert? Pro Übungseinheit wird dem Klienten ein Selbstbehalt von 5 Euro verrechnet (dies sind 40 Euro für acht Einheiten). Die restlichen Kosten trägt der Gesundheitsförderungsfonds des Landes Vorarlberg und der Österreichischen Gesundheitskasse.

Wo können sich Interessierte melden? ARGE Mobile Hilfsdienste, Telefon: 05572/398297, E-Mail: arge@mohi.at

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