Kommentar

Marlies Mohr

Kleine Inseln

Der Regenbogen ist ein atmosphärisch-optisches Phänomen, das als kreisbogenförmiges farbiges Lichtband in einer von der Sonne beschienen Regenwand oder –wolke wahrgenommen wird. Sein radialer Farbverlauf ist das mehr oder weniger verweißlichte Spektrum des Sonnenlichts. Das Sonnenlicht wird beim Ein- und Austritt an jedem annähernd kugelförmigen Regentropfen abgelenkt und in Licht mehrerer Farben zerlegt: soweit die nüchterne Definition, wie sie auf Wikipedia zu finden ist. Während der Hochphase der Coronapandemie war der Regenbogen allerdings vielmehr als nur das beschriebene verweißlichte Spektrum. Er diente als Symbol der Hoffnung. Zuhauf wurden Vorplätze damit bemalt und Zeichnungen davon sichtbar in die Fenster von Wohnungen und Häusern gehängt.

Inzwischen hat das Leben wieder Fahrt aufgenommen. Das Virus verliert langsam, aber sicher seinen Schrecken, die Zeichnungen sind verschwunden, verblasst oder vom Regen weggespült worden. Die Normalität ist im Begriff, sich die Menschen zurückzuerobern, und das ist nichts Schlechtes. Fragt sich nur, ob die Krise bei uns etwas bewirkt hat. Geht es weiter, wie vorher oder konnte uns das Virus wenigstens ein bisschen zum Umdenken bewegen? Weltpolitisch gesehen, kommen einem da Zweifel, aber wir haben ja noch unseren etwas kleineren Kosmos. Viel ist da an Gutem gesät worden, das jetzt eigentlich nur noch weiter gepflegt werden müsste. Wir sollten uns diese kleinen Inseln des Miteinanders bei aller Freude über die ersehnte Rückkehr in den Alltag bewahren.

Marlies Mohr

marlies.mohr@vn.at

05572 501-385

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