Kommentar

Hans Concin

Veraltete ambulante medizinische Versorgung

Unser System der ambulanten medizinischen Versorgung geht weit in das vorige Jahrhundert zurück. Es hat sich in der Vergangenheit sehr bewährt, kann aber in Zukunft die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft nicht mehr in der bisherigen Qualität und zunehmenden Quantität gewährleisten. Die sehr starken Geburtenjahrgänge der 1950er und 1960er Jahre sind jetzt zwischen 50 und 70 Jahre alt und stellen zunehmend quantitativ aber auch qualitativ eine Herausforderung vor allem an die ambulante, später auch an die stationäre Krankheitsbehandlung, dar. Nicht nur, dass uns die vielen Ärzte, die diese Baby-Boomer-Jahrgänge hervorgebracht haben, in Zukunft fehlen werden, weil sie in Pension gehen, auch ihre Altersgenossen altern und damit untrennbar verbunden ist eine Zunahme chronischer Krankheiten. Auch werden immer mehr Patienten mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und ein höheres Alter erreichen als die Generation davor.

Eine Entwicklung läuft völlig den künftigen Bedürfnissen entgegen. Die vermehrte Spezialisierung und Subspezialisierung selbst innerhalb spezialisierter Fachgebiete ist nicht das, was wir in Zukunft vorrangig brauchen. Diese „spezialisierten Spezialisten“ brauchen wir dringend in den Spitälern für „schwierige Fälle“. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte braucht die künftige Bevölkerung gut ausgebildete, hoch effiziente Generalisten und das sind die Allgemeinmediziner.

Wir brauchen dringend eine Ausbildungsreform für Ärzte. Das Medizinstudium, die klinische Ausbildung in den Spitälern und die Forschung entsprechen nur teilwiese den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung in der Praxis. Die Spitalsmedizin widmet sich hoch spezialisiert oft nur einer Krankheit, einem Körperteil oder einem Organ. In Zukunft werden wir aber, entsprechend der demographischen Entwicklung, immer mehr ältere Patienten mit zwei oder mehr chronischen Krankheiten haben. Das können nur gut ausgebildete Allgemeinmediziner für die Patienten befriedigend leisten. Multimorbidität ist fächerübergreifend und mehr als die Summer der einzelnen Krankheiten eines Patienten.

Nur die Rückbesinnung und starke Aufwertung der Allgemeinmediziner kann die nahenden großen Probleme der Gesundheit unserer Gesellschaft bewältigen. Neben der breiten Aus- und Fortbildung und besseren Honorierung der Allgemeinmedizin sind auch neue Organisationsformen im niedergelassenen Bereich erforderlich. Die Einzelpraxis mit sehr hoher Arbeitsbelastung für den Arzt ist ein Auslaufmodell. Sollten dann auch noch die Öffnungszeiten verlängert werden, ist das heute meistens nur mit drei und mehr Ärzten leistbar. Grundsätzlich haben wir heute noch ausreichend Ärzte, wir haben sie aber nicht dort, wo sie benötigt werden. Viele zaghafte Schritte wurden von der Politik und ärztlichen Standesvertretung schon gemacht. Um in Zukunft mehr, oder zumindest gleichviel Allgemeinmediziner zu haben ist dringend die Umsetzung von bekannten und im Ausland schon umgesetzter Strategien erforderlich.

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein

„Die Einzelpraxis mit sehr hoher Arbeitsbelastung für den Arzt ist ein Auslaufmodell.“

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