Kommentar

Hans Concin

Erfolgsstory HPV-Impfung

Die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) führt zu einer dramatischen Reduktion der Anzahl junger Frauen mit Infektionen, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. In England wurde schon im September 2008 ein Immunisierungsprogramm eingeführt und zwischen 2010 und 2016 ausgewertet. Die beeindruckenden Ergebnisse wurden jetzt im angesehenen „Journal of Infectious Diseases“ veröffentlicht. Die HPV-Typen 16 und 18, die für die meisten Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind, haben in der Studie um 86 Prozent abgenommen. Wenn man alle HPV berücksichtigt, kommt es zu einer Abnahme von insgesamt 90 Prozent aller Infektionen, die für die Krebsentstehung eine Rolle spielen.

Obwohl die Impfung im britischen System nur gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und 18 gerichtet war, zeigt sich auch eine Reduktion weiterer, für die Krebsentstehung relevanter HPV-Typen wie 31, 33 und 45. In England wurde den 12- und 13-jährigen Mädchen die HPV-Impfung angeboten und zu 80 Prozent auch angenommen. Frauen bis zum 18. Lebensjahr wurde ein Nachholprogramm angeboten. Eine HPV-Infektion erfolgt in den meisten Fällen im Teenageralter. Üblicherweise hat das Immunsystem kein Problem, die Viren wieder loszuwerden. In Ausnahmefällen persistieren sie aber im Gewebe und können am Muttermund nach durchschnittlich 15 Jahren hochgradige Krebsvorstufen (CIN III) hervorrufen. Durchschnittlich weitere 13 Jahre später kann sich daraus ein (invasiver) Krebs bilden.

In Vorarlberg wird bei 15 Frauen jährlich ein Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, österreichweit sind es 380. Daran sterben in Vorarlberg vier Frauen pro Jahr (niedrigste Rate der Bundesländer), österreichweit sind es 150 Frauen. Schon in der Vergangenheit war aufgrund der langen Vorlaufzeit die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge (PAP-Abstrich) äußerst erfolgreich. Heute auftretende Fälle sind fast ausschließlich auf eine fehlende Vorsorge zurückzuführen.

Warum dennoch die Einführung der HPV-Impfung? Nach einem verdächtigen PAP-Abstrich folgt eine winzige Gewebeentnahme, die zur Diagnose eines Krebsvorstadiums (CIN III) führen kann. In diesen Fällen wird meist im Spital eine Gewebeentnahme vom Muttermund (Konisation) unter Narkose durchgeführt. Jährlich werden in Vorarlberg durchschnittlich 142 Konisationen durchgeführt Die HPV-Impfung kann das Auftreten dieser hochgradigen Krebsvorstadien drastisch reduzieren, damit Operationen deutlich reduzieren und potenzielle Nachteile der Konisation wie ein höheres Frühgeburtenrisiko im Falle einer nachfolgenden Schwangerschaft ausschalten.

HP-Viren sind an der Entstehung auch vieler anderer Krebserkrankungen und Warzen bei Frauen und Männern beteiligt. Vor allem Karzinome im Analbereich, an Scheide, Penis und äußerer Scham haben eine hohe HPV-Beteiligung, weniger aber nicht unrelevant sind HPV bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. In allen weltweiten Studien zeigt sich eindrücklich das Phänomen des Herdenschutzes. Keine Impfung ist bezüglich Nebenwirkungen so gut untersucht wie die HPV-Impfung. Alle Studien zeigen, dass es zu keiner Zunahme von Erkrankungen kommt. Es ist zu hoffen, dass auch in Österreich die Impfungen wieder höhere Beteiligungsraten erreichen.

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein

„HP-Viren sind an der Entstehung auch vieler anderer Krebserkrankungen bei Frauen und Männern beteiligt.“

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