Hans Concin

Wohlfühl­faktor

Bis zu welchem Alter soll mit medizinischen Tests nach gesundheitlichen Risikofaktoren gefahndet werden? Oder ab wann soll mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten eher die Lebensqualität optimiert werden? Prävention will die Gesundheit von Gesunden erhalten und Risikoentwicklungen entgegenwirken. Die ersten Stufen dieses Erfolgskonzeptes sind wissenschaftlich gesichert. Ausreichende Bewegung und mediterrane Ernährung sind die wichtigsten Faktoren, gefolgt von Bildung, Impfungen, Unfallverhütung in der Freizeit und bei der Arbeit, Strategien zur Stressbewältigung und Spiritualität, Rauchfreiheit, Gewichtskontrolle, genügendem Schlaf und nur moderatem Alkoholkonsum. Mit diesen Maßnahmen der „primären Prävention“ kann man sehr gut die Gesundheit in allen Bereichen stabilisieren. Diese Empfehlungen gelten immer, unabhängig von Gesundheit, Krankheit, Geschlecht und Alter.

Die zweite Stufe der Vorsorgemedizin sind systematische Gesundenuntersuchungen. Diese verfolgen das Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen und im Rahmen der „sekundären Prävention“ vorzubeugen. Die Empfehlungen der „primären Prävention“ bleiben unabhängig davon gültig. Die „sekundäre Prävention“ sucht mit Früherkennungsprogrammen nach Risikofaktoren oder Vorstadien von Krankheiten. Hintergrund ist das Wissen, dass Krankheiten sich oft sehr langsam entwickeln und die Möglichkeit besteht, dieses relative Krankheitsrisiko durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Die Frage, die sich hier stellt: Bis zu welchem Alter soll man beschwerdefreie Gesunde ohne ein vererbtes Risiko screenen? Oder ab wann ist die vorrangige Forderung an die Medizin die Verbesserung individueller Bedürfnisse, Ziele und Möglichkeiten im Sinne von personalisierter Wohlfühlmedizin?

Experten empfehlen, ab 70/74 Jahren bei beschwerdelosen Gesunden nicht mehr auf Krebssuche zu gehen. Sehr wohl sollen aber Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin weiter kontrolliert werden. Uneinigkeit besteht allerdings über die Konsequenzen, wenn diese Werte leicht erhöht sind. Denn je früher Risikofaktoren wie ein erhöhter Blutdruck auftreten, desto mehr steigt die Gefahr, dass beispielsweise ein Hirnschlag verursacht wird. Umgekehrt gibt es kaum Studien, die bei Gesunden den Nutzen und Schaden von Behandlungen bei nur mäßig erhöhten Risikofaktoren im Alter von über 70 Jahren untersucht haben. Hier werden oft Erfahrungen aus Studien erfolgreicher Krankheitsbehandlungen auf Gesunde übertragen, ohne die Nutzen/Schaden-Bilanz abschätzen zu können. Solange hier harte Daten fehlen, soll die Lebensqualität des Individuums im Vordergrund stehen und Therapien sollten zurückhaltend eingesetzt werden.

hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein

Je älter eine Person, umso gezielter sollen die Errungenschaften der Medizin für die Lebensqualität eingesetzt werden.

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