MEDKonkret Nachbericht. Lungenembolie

Eine besonders kritische Erkrankung

von Marlies Mohr
Auch Primar Bernhard Föger durfte in einem mit Besuchern fast ausgebuchten Panoramasaal referieren. Fotos: Vn/paulitsch

Auch Primar Bernhard Föger durfte in einem mit Besuchern fast ausgebuchten Panoramasaal referieren. Fotos: Vn/paulitsch

Dennoch laufen Patienten oft monatelang mit Lungenembolien herum.

Feldkirch. (VN-mm) Sie zu diagnostizieren bedeutet für Mediziner nach wie vor eine Herausforderung. So bleiben Lungenembolien häufig unerkannt oder verkannt. „Oft laufen Patienten monatelang mit immer wiederkehrenden Lungenembolien herum“, berichtete Primar Bernhard Föger bei seinem MedKonkret-Vortrag aus der Praxis. Was salopp klingt hat allerdings eine brandgefährliche Komponente. Denn unbehandelt führt eine Lungenembolie bei jedem dritten Betroffenen zum Tod. Aber auch mit Therapie beträgt die Sterblichkeit innerhalb der ersten dreißig Tage noch 15 Prozent. „Deshalb ist es wichtig, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen“, betonte der Leiter der Internen Abteilung im Landeskrankenhaus Bregenz.

Druck auf das Herz

Lungenembolien entstehen meist durch Blutgerinnsel in den Bein- oder Beckenvenen, die sich lösen und die Lungenschlagader verlegen. Dadurch entsteht großer Druck auf die rechte Herzkammer, da diese eine deutlich dünnere Muskulatur aufweist als die linke Herzkammer. Starke Atemnot ist die Folge. „Atemnot ist übrigens nie trivial“, merkte Bernhard Föger an. Ein weiteres Indiz für das Vorliegen einer Lungenembolie ist eine blau-graue Gesichtsfarbe. Auch Thoraxschmerzen, ein rascher Herzschlag, Husten sowie Bluthusten deuten auf eine Lungenembolie hin.

Hohe Atemschlagzahl

Sie kann ohne Vorwarnung jeden treffen, es gibt aber auch sogenannte provozierende Faktoren wie Bettlägerigkeit, lange Flugreisen, Schwangerschaft, die Pille und das Rauchen. Das kann Thrombosen verursachen, die mitunter zentimeterlang sind. Als größten Risikofaktor nannte Föger die tiefe Beinvenenthrombose. Krebs ist ebenfalls ein häufiger Grund für Thrombosen und daraus folgernd Lungenembolien. Für Internisten sind Lungenembolien laut Föger ein wichtiges klinisches Thema, handelt es sich doch um eine kritische Erkrankung. Rascher Herzschlag, gesteigerte Atmung, Angst, Atemnot, Schwitzen und Schläfrigkeit bergen Anzeichen einer Lungenembolie. Die Brisanz verdeutlichte Bernhard Föger an einem Beispiel. Im Normalfall liegt die Atemschlagzahl bei 10 bis 16 Mal in der Minute. Bei Vorliegen einer Lungen­embolie erhöht sie sich auf 30 bis 40 Mal pro Minute. An Ersthilfe ist das Hochlagern wichtig, im zweiten Schritt wird dem Patienten zusätzlich Sauerstoff verabreicht.

Folge einer Komplikation

Während etwa eine Lungenentzündung im Röntgen einfach zu sehen ist, gleicht die Lungenembolie eher einem Chamäleon, das sich irgendwie unsichtbar macht. Bei einer schweren Ausprägung lässt sich eine Lungenembolie mittels Computertomografie feststellen. „Sie liefert die höchste Sensitivität“, erklärte Föger. Von 100 Lungen­embolien werden auf diese Weise 95 entdeckt. Weitere Anhaltspunkte für die richtige Diagnose liefern Laborwerte, der Herzultraschall sowie die Kompressions-Sonografie. In den meisten Fällen ist die Lungenembolie eine Komplikation einer großen Beinvenenthrombose. Dabei löst sich ein Blutgerinnsel aus der Beinvene, gelangt durch den Blutstrom in die rechte Herzkammer, von dort aus in die Lungenarterie und verstopft ein Lungengefäß, somit kommt es zum Lungeninfarkt.

Der Schweregrad einer Embolie ist abhängig von der Größe des Gerinnsels. Verstopft ein großer Thrombus das Lungengefäß, kommt es zu einem Rückstau des Blutes in der rechten Herzkammer. Das Herz pumpt stärker und rascher und versucht, den Druck in der rechten Herzkammer zu minimieren, indem es sich vergrößert. Wird die Lungenembolie nicht ehestens behandelt, kann das Herz diesem Druck nicht mehr standhalten und innert kurzer Zeit aufgrund der Überlastung versagen. Eine bessere Prognose ist gegeben, wenn der Thrombus kleiner ist oder ein nur kleines Gefäß blockiert.

Allerdings besteht dabei die Gefahr, dass diese Embolie unerkannt bleibt, denn sie verursacht meist keine Beschwerden. Eine Beinvenenthrombose macht sich durch eine einseitige Schwellung bemerkbar. „Die Unterschiede sind sogar messbar“, verdeutlichte Primar Bernhard Föger anhand eines Bildes. Vorrangiges Ziel der Behandlung ist es, das Gerinnsel aufzulösen. Allerdings beinhaltet diese Therapie die Gefahr von Hirnblutungen. Kann die Thrombolyse nicht angewandt werden, besteht noch die Möglichkeit, das Gerinnsel operativ zu entfernen.

Blutverdünnung

Ein anderer Therapieansatz besteht darin, ein weiteres Wachstum des Gerinnsels zu verhindern. Dies erfolgt mit blutverdünnenden Medikamenten. „Diese Behandlung muss mindestens drei bis sechs Monate durchgeführt werden“, sagte Föger. In manchen Fällen ist eine lebenslange Blutverdünnung angezeigt. In diesem Zusammenhang verwies er auf das hohe Blutungsrisiko, das solche Patienten haben.

Ebenfalls ein Thema bei Lungenembolien ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Sie liegen sehr straff am Bein, setzen damit die Venen unter Druck und erschweren auf diese Weise einem Gerinnsel, in die Lungenarterie zu rutschen. Föger empfiehlt die Anwendung am Beginn einer Therapie.

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