MedKonkret. Nachbericht. Endometriose: Unsichtbares Leid

„Tasten, schauen und nochmals schauen“

von Marlies Mohr
Endometriose ist zwar Frauensache. Doch jedes Frauenthema sei auch ein Männerthema, weil es meist beide betreffe, wie der Arzt betonte. 
Endometriose ist zwar Frauensache. Doch jedes Frauenthema sei auch ein Männerthema, weil es meist beide betreffe, wie der Arzt betonte. 

Eine schnelle Diagnostik ist bei Endometriose wichtig. Neue OP-Methode im Einsatz.

Dornbirn. (VN-mm) Nicht zu wissenschaftlich und nicht zu gruselig: So kündigte Primar Burghard Abendstein seinen MedKonkret-Vortrag zum Thema Endometriose an. Doch ganz konnte er den vielen, vorwiegend weiblichen Besuchern blutige Einblicke in das Krankheitsgeschehen nicht ersparen. Denn die Bilder machten die zahlreichen Gesichter dieser Erkrankung anschaulich. Auch die sehr ausgiebig genützte Fragestunde verdeutlichte, wie unterschiedlich sich das Leiden bei Frauen äußert. Für den neuen Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im Landeskrankenhaus Feldkirch war eines klar: „Die Diagnose muss schneller erfolgen.“ Auch, weil Endometriose häufig mit ungewollter Kinderlosigkeit einhergeht. Derzeit dauert es durchschnittlich neun Ärzte und elf Jahre, bis Betroffene richtig befundet werden. Deshalb gebe es Endometriose-Zentren, setzte Abendstein nach.

Rund 200 Neuerkrankungen

Bei Endometriose, deren Leitsymptom der Unterbauchschmerz ist, siedelt sich Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter an. Die Entstehung ist allerdings noch nicht restlos geklärt. In Vorarlberg kommt es jährlich zu rund 200 Neuerkrankungen. Die Betroffenen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Etwa die Hälfte der Frauen kann aufgrund von Endometriose nicht schwanger werden. Der Schmerz ist abhängig von der Art der Endometriose. „Rote Herde schmerzen am meisten, weil sie in der Nähe von Nervenendungen liegen“, erklärte Burghard Abendstein. Blaue und weiße Herde sind weniger quälend. In jedem Fall sei eine gute Diagnostik wichtig. „Tasten, schauen und nochmals schauen“, fasste sie der Gynäkologe zusammen. Die Diagnosesicherung erfolgt vorwiegend mittels Bauchspiegelung.

Minimalinvasiver Eingriff

Eine Therapie kann medikamentös oder operativ erfolgen, wobei die operative Entfernung von Endometrioseherden als Goldstandard gilt, weil sie am nachhaltigsten wirkt. Unter Medikamentengabe gehen Herde und Schmerzen zwar zurück, sie verschwinden jedoch nicht. „Und sie bringen keine Verbesserung der Schwangerschaftsrate“, ergänzte Burghard Abendstein. Mehr lässt sich durch eine Operation erreichen, die im Übrigen minimalinvasiv erfolgt. Zudem steht im Landeskrankenhaus Feldkirch seit Kurzem mit dem sogenannten Plasmajet eine besonders schonende OP-Methode zur Verfügung. Statt mit Strom werden Endometrioseherde nämlich mit Gas abgetragen. „Wir sind derzeit österreichweit die einzige Abteilung, die über ein eigenes Gerät dieser Art verfügt“, berichtete Burghard Abendstein nicht ohne Stolz.

Liegt eine Sterilität vor, braucht es die Kooperation mit anderen medizinischen Disziplinen. Mitunter lässt sich eine Schwangerschaft aber nur noch auf künstlichem Wege bewerkstelligen, etwa, wenn es nach einer Operation zu einem Wiederaufflackern der Herde kommt. Besonders die tief infiltrierende Endometriose kehrt häufig zurück.

Selbsthilfegruppe

Zum Abschluss verwies Primar Burghard Abendstein noch auf den großen Nutzen von Selbsthilfegruppen bei dieser Erkrankung. Das Fraueninformationszentrum Femail in Feldkirch schafft schon seit Jahren den Zugang zu einem Netzwerk für Endometriose-Betroffene. „Wir wollen Frauen dazu verhelfen, in Kontakt und ins Gespräch mit anderen Betroffenen zu kommen und persönliche Tipps im Umgang mit der Erkrankung auszutauschen“, nennt Christa Bauer von der Fachstelle für Frauengesundheit ein besonderes Ziel der Selbsthilfe. Außerdem sollen sich Frauen mehr Wissen im Umgang mit Endometriose aneignen können sowie bewährte Unterstützungsmöglichkeiten kennenlernen.

Informationen bei Christa Bauer, Tel. 05522/31002-14, E-Mail:
christa.bauer@femail.at

Primar Burghard Abendstein ließ bei seinem hochinteressanten Vortrag auch Bilder sprechen.
Primar Burghard Abendstein ließ bei seinem hochinteressanten Vortrag auch Bilder sprechen.
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