Herausforderung für Hütten

Die Feldkircher Hütte der Naturfreunde Vorarlberg hat bereits geöffnet.  He

Die Feldkircher Hütte der Naturfreunde Vorarlberg hat bereits geöffnet.  He

Alpenverein und Naturfreunde durch Covid19 mit erheblichen Nachteilen konfrontiert.

Feldkirch Durch die Maßnahmen im Zuge der Coronakrise besteht eine große Nachfrage nach Bewegung in der Natur, Hüttenwanderungen und Klettern. Der Urlaub wird heuer vorwiegend im eigenen Land stattfinden. „Wir haben viele Anfragen von Wanderern bekommen, wie es mit den Nächtigungen auf unseren Hütten aussieht. Bis vor Kurzem war es unklar, welche Bedingungen für eine Inbetriebnahme der acht Hütten erforderlich sind. Die Zwei-Meter-Abstandsregelung trifft uns nicht nur hart, sondern beinhart. Wir rechnen mit einer Auslastung von nur 40 bis 50 Prozent. Da wir am 11. Juni die Hütten eröffnen wollen, sind zuvor noch bauliche Maßnahmen erforderlich“, erklärt Rainer Schlattinger, seit zwanzig Jahren Geschäftsführer des Alpenvereins Vorarlberg. Auch wenn der Erlass des Bundesministeriums vorliege, so bleiben für die Umsetzung noch viele Fragezeichen offen. Es seien erschwerte Bedingungen – sowohl für den Verein als auch für die Pächter. „Viele Pächter beschäftigen Nepalesen, die derzeit nicht einreisen dürfen. Aber auch die Grenz­öffnungen innerhalb von Europa sind noch unsicher. Zwei Drittel der Nächtigungen auf den Hütten sind Bergsportler aus Deutschland, der Schweiz, den Benelux-Staaten und den Niederlanden“, zeigt sich Schlattinger besorgt.

Schon die letzte Saison war für den Alpenverein finanziell schwierig, da durch einen Lawinenabgang die Totalphütte komplett zerstört wurde und dadurch ein Neubau für rund 3,1 Millionen Euro erforderlich wurde. „Durch die Coronakrise haben sich die Bauarbeiten verzögert. Auch die Baukosten haben sich dadurch erheblich verteuert. Helikopterflüge für die Bauarbeiter sind nun wieder in voller Auslastung möglich, vorher durften ausschließlich zwei Leute befördert werden. Es gab keine Alternative hierzu“, führt der Alpenvereinsgeschäftsführer weiter aus. Die Aufnahme des Tagesbetriebs auf der Totalphütte ist Mitte Juli geplant. Auch der Bau der neuen Lünerseebahn verzögert sich, was eine Zubringung der Gäste erschwert. „Gerade in Krisenzeiten ist es für die Volksgesundheit und die Psychohygiene wichtig, sich im Freien zu bewegen. Wir stellen uns unserer Aufgabe, immerhin hat der Alpenverein in seinem 150-jährigen Bestehen schon zwei Weltkriege und Rezessionen erlebt – auch diese Krise werden wir erfolgreich überstehen“, ist Schlattinger trotz allem überzeugt.

Feldkircher Hütte geöffnet

Aber nicht nur den Alpenverein treffen die Maßnahmen im Zuge der Krise hart, sondern auch die Naturfreunde Vorarlberg. „Corona hat uns wie ein Hammer getroffen. Im Winter konnten nur drei Skitouren-Kurse durchgeführt werden. Auch wir sehen uns Kosten für die Instandhaltung der Hütten gegenüber. Vier unserer acht Hütten haben bereits – unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen – geöffnet, die Emser Hütte, die Bregenzer Hütte, Gauertal-Haus und auch die Feldkircher Hütte. Letztere liegt hoch über dem Walgau und bietet eine herrliche Sonnenterrasse zum Verweilen. Alle anderen Hütten stehen derzeit ante portas, wir können jederzeit öffnen. Das neu ausgebaute Silvretta Ausbildungshaus ist derzeit noch geschlossen, da keine Kurse stattfinden dürfen. Ob wir im Sommer unsere beliebten Kinder-Kletterkurse durchführen können, ist ebenfalls noch unklar“, erläutert Günter Griesser, seit 18 Jahren Geschäftsführer der Naturfreunde Vorarlberg. Viele Fragezeichen gibt es also auch bei den Naturfreunden.

Besonders bitter ist, dass die Naturfreunde heuer ihr 125-Jahr- Jubiläum feiern wollten. Eigentlich sollte dieser Anlass mit einem dreitägigen Festakt in der Silvretta begangen werden. „Wir hatten alles schon geplant, rund 150 Leute waren eingeladen. Nun werden wir zu einem späteren Zeitpunkt, allerdings in einem wesentlich kleineren Rahmen, feiern. Eine von vielen Stornierungen in dieser belastendenden Zeit“, so Günter Griesser abschließend. BI

„Gerade in Krisenzeiten ist es für die Psycho­hygiene wichtig, sich im Freien zu bewegen.“

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