In die „Suchtfalle Corona“ getappt

Fachbereichsleiterin Monika Chromy bei einer Beratung. Die Caritas betreibt unter anderem in Dornbirn eine Suchtfachstelle. ???

Fachbereichsleiterin Monika Chromy bei einer Beratung. Die Caritas betreibt unter anderem in Dornbirn eine Suchtfachstelle. ???

Caritas berichtet vom Weg einer Dornbirnerin aus der Alkoholsucht.

Dornbirn Am Anfang war es ein Feierabend-Gläschen zum feinen Essen, dann wurde es mehr und mehr. Nachdem sich durch Corona die Abende alleine auf der Veranda häuften, verlor sie den Überblick und die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum. Die Caritas, die in Dornbirn eine Suchberatungsstelle betreibt, berichtet von einer Dornbirnerin, die ihr zunehmendes
Alkohol-Problem in den Griff bekam und dem Weg zurück in ein abstinentes Leben fand – dies auch, um auf Suchtgefahren in der von Lockdowns geprägten Zeit hinzuweisen.

Offener Umgang

Frau M. – so sei sie hier genannt – eine Mittfünfzigerin, geht sehr offen mit ihrer Geschichte um. Die gebürtige Bregenzerwälderin war viele Jahre in Deutschland verheiratet und lebt zwischenzeitlich in einer schönen Eigentumswohnung in Dornbirn, hat einen guten Job, ein tolles Umfeld und ist eigentlich sehr zufrieden mit ihrem Leben. „Ich war früher Wirtin und koche leidenschaftlich gerne – oft auch für Gäste und da war früher die passende Weinbegleitung ein wichtiger Teil eines geselligen Abends“, sagt sie. Der Prosecco mit der Freundin und auch mal alleine – irgendwann häufte sich ihr Alkoholkonsum in ein bedenkliches Ausmaß. Corona hatte sicherlich auch einen großen Anteil daran, dass sich der Alkoholkonsum im heurigen Frühjahr steigerte. „Ich war während des Lockdowns doch auch viel alleine. Das war mir irgendwo schon bewusst, aber den Tatsachen ins Auge sehen konnte ich damals noch nicht wirklich“, so M.

Kinder mit feinen Antennen

Was ihr zu Beginn des vergangenen Sommers noch nicht klar war: Ihre in Deutschland lebenden, bereits erwachsenen, Kinder hatten feine Antennen und bemerkten am Telefon sehr schnell, ob die Mama Alkohol getrunken hatte und machten sich natürlich entsprechende Sorgen. Es war dann die jüngste Tochter, die in einem persönlichen Gespräch das Thema „Alkoholsucht“ ansprach und damit den sprichwörtlichen Stein ins Rollen brachte. „Es gab bei diesem Gespräch auch Tränen denn ich wusste, dass sie recht hatte.“ Gleich am selben Tag schrieben die beiden eine E-Mail an die Suchtfachstelle der Caritas und bekamen binnen weniger Stunden Antwort von Suchtberaterin Monika Chromy.

Es folgte ein erster Gesprächstermin und bald die Entscheidung der völligen Abstinenz als Ziel. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit meiner Familie gegründet und meinen Weg unter das Motto „Projekt Regenbogen“ gestellt. Der Regenbogen steht für bunt und fröhlich – genauso soll mein Leben sein“, sagt Frau M. In den vergangenen drei Monaten hat sich ihr Leben sehr ins Positive verändert.

Um sich abzulenken hat sie anfangs bewusst Bewegungseinheiten in ihren Alltag eingebaut: „Ich sehe erst jetzt, wie mich mein Alkoholkonsum belastet hat. Ich schlafe viel besser und bemerke, dass es auch meinem Körper wieder besser geht. Das sieht man auch optisch und ein gepflegtes Äußeres war mir immer sehr wichtig.“ Eine App ist für sie eine zusätzliche Motivation: „Da kann ich nachschauen, wie viel Geld mir der Verzicht auf Alkohol schon eingespart hat – da kommt ein ganz ordentliches Sümmchen zusammen.“

Besseres Verhältnis zu den Kindern

Was sie ganz besonders freut, ist, dass das Verhältnis zu ihren Kindern noch besser geworden ist. „Ich finde zwischenzeitlich überhaupt keinen Grund mehr, warum ich Alkohol trinken könnte oder sollte. 2020 war für die meisten Menschen ein sehr schwieriges Jahr. Für mich war es rückblickend eines der schönsten in meinem Leben.“

Suchtfachstellen der Caritas gibt es in Feldkirch, Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Egg und Mittelberg. Kontakt: 05522/200 17 00, suchtfachstelle@caritas.at

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