Jüdische Lebensgeschichten aus Hohenems. Karoline Reichenbach (geb. Bernheimer, 1846 – 1898)

„All die Liebe kann das Grab nicht fassen“

Vier Generationen auf einem Bild: Karoline Reichenbach (links), ihre Mutter Bertha Bernheimer, ihre Tochter Klara und ihre Enkelin. JM

Vier Generationen auf einem Bild: Karoline Reichenbach (links), ihre Mutter Bertha Bernheimer, ihre Tochter Klara und ihre Enkelin. JM

Karoline Reichenbach und ihre Familiengeschichte.

Hohenems Die Biografienreihe der VN-Heimat und des Jüdischen Museums Hohenems findet 2021 mit der Geschichte von Karoline Reichenbach ihre Fortsetzung. Karoline Reichenbach kam vor rund 175 Jahren in Hohenems als älteste Tochter von Bertha und Isak Bernheimer zur Welt. Wie bei vielen Vertreterinnen und Vertetern ihrer Generation spielte sich ihr Leben dies- und jenseits des Rheins ab.

Triest – Hohenems – Rorschach

Karoline entstammte einer Kaufmannsfamilie und verbrachte Teile ihrer Kindheits- und Jugendtage auch in der Mittelmeermetropole Triest, wo ihr Vater Mitte des 19. Jahrhunderts tätig war. Auch zwei Geschwister kamen dort zur Welt. Zurück in Hohenems, lebte die Familie in der Untergasse, dem Straßenzug Richtung Dornbirn, der bereits etwas abseits des Zentrums liegt und heute Radetzkystraße heißt. Dort wohnten damals sowohl Christen als auch Juden, wobei sich Letztere oft als einfache Kaufleute, Hausierer oder Handwerker verdienten.

Mit 22 Jahren heiratete Karoline in Hohenems den Weinhändler und Branntweinfabrikanten Louis Reichenbach, der ebenfalls aus dieser Straße stammte. Die 1863 geänderte Rechtslage im Kanton St. Gallen erleichterte Jüdinnen und Juden die Ansiedlung, auch eine eigene Kultusgemeinde wurde rasch gegründet. Und so zählten etwa die Hohenemser Familien Brettauer, Burgauer und Reichenbach zu jenen, die jenseits des Rheins ihre Ziele zu verwirklichen versuchten. Auch Karoline und Louis zogen bald nach ihrer Hochzeit in die Schweiz. Die erste Tochter Klara, sowie zwei weitere Geschwister kamen bereits in Rorschach zur Welt.

Verbindungen in die Heimat

Dank der – auch für damalige Verhältnisse – geografischen Nähe dürften regelmäßige Heimatbesuche üblich gewesen sein, weshalb es nicht überrascht, dass der älteste Sohn Hermann 1879 in Hohenems zur Welt kam. Die letzten beiden der insgesamt sechs Kinder erblickten dann schon im westlich von St. Gallen gelegenen Flawil das Licht der Welt, wohin die Familie in den 1880er-Jahren gezogen war.

Auch über die nun etwas weitere Distanz erhielt sich die Beziehung zur elterlichen Familie in Hohenems. Die amtlich bestätigte Auswanderung der Reichenbachs ist erst für das Jahr 1893 belegt. In das elterliche Wohnhaus zog es Karoline dann im September 1897 vielleicht zum letzten Mal. Im Garten entstand jenes Foto, das sie, ihre 77-jährige Mutter Bertha Bernheimer sowie die älteste Tochter Klara mit deren Töchterchen zeigt und damit vier Generationen der Familie auf einem Bild vereint.

Nur fünf Monate später verstarb Karoline im 52. Lebensjahr in Flawil. Wenige Tage darauf wurde sie bereits am Jüdischen Friedhof in Hohenems beigesetzt. Auf dem heute noch vollständig erhaltenen Grabstein gibt die Inschrift einen Einblick in das Wesen Karolines. So betrauerte ihre Familie sie mit den Worten: „All die Liebe – kann das Grab nicht fassen – Mit der du – Gatte und Kinder hast umgeben – In deren Herzen – hast du sie gelassen – In ihnen, Edle – wirst auch fort du leben.“ Auch Louis, der 1925 in Zürich verstarb, fand direkt neben Karoline seine letzte Ruhestätte. RAE

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.