Jüdische Lebensgeschichten aus Hohenems. Iwan und Franziska Rosenthal

Das Ehepaar Rosenthal und seine berühmte Villa

Die Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems um das Jahr 1900. Jüdisches Museum (2)

Die Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems um das Jahr 1900. Jüdisches Museum (2)

Die Rosenthals engagierten sich in Hohenems für die Gemeinschaft.

Hohenems Die VN-Heimat blickt zum Auftakt einer neuen Biografienreihe in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems auf die Geschichte der in Hohenems wohlbekannten Familie Rosenthal.

Das ursprüngliche Gebäude der „Alten Post“ am Beginn der heutigen Radetzkystraße kam 1807 erstmals in Familienbesitz. Teile des Anwesens wurden später von den schweizerischen Architekten Chiodera und Tschudy am Grundstück neu errichtet. Die seit 1874 verheirateten und kinderlos gebliebenen Iwan und Franziska Rosenthal bezogen das Haus 1890.

Fabrikantenkarriere

Franziska wurde 1853 in die jüdische Kaufmannsfamilie Brettauer geboren. Iwan kam bereits 1842 als zehntes von 14 Kindern in Hohen­ems zur Welt. Sein Vater Philipp war mit dessen Bruder Josef in der gemeinsamen Firma „Gebrüder Rosenthal“ tätig und stand zunächst als Vorsteher und später als Bürgermeister auch an der Spitze der jüdischen Gemeinde. Erfolg und Ansehen der beiden Firmengründer lassen sich bereits an den markanten Grabsteinen am Jüdischen Friedhof erahnen.

Während sein Bruder Anton fortan den Hohenemser Stammsitz führte, übernahm Iwan einen Ableger in Liechtenstein. Franziska engagierte sich hingegen auf ihre Weise und veranstaltete beispielsweise „Damenkränzchen“. Dort wurde nicht nur Geld für den Bau des Krankenhauses gesammelt, auch Spenden für Notleidende kamen bei diesen Veranstaltungen zusammen.

Einsatz für den Friedhof

Iwan bediente sich 1899 ebenfalls dieser Methoden und wandte sich in einem Bittbrief an so manch abgewanderten Hohenemser. Dem Jüdischen Friedhof drohte nämlich einerseits der Platz auszugehen, während andererseits die anstehenden Restaurierungen finanziert werden mussten. Der Aufruf Rosenthals war erfolgreich und so konnten im Jahr darauf die notwendigen Arbeiten durchgeführt
werden. Die Ruhestätte wurde damals auf die aktuelle Fläche vergrößert und um ein dringend notwendiges Entwässerungssystem erweitert.

Verkauf der Villa

Die Namensgeber des Anwesens verstarben 1929 bzw. 1931 und fanden nebeneinander am Jüdischen Friedhof ihre letzte Ruhe. Das Erbe trat die Tochter von Franziskas Schwester Regine an, die schon um die Jahrhundertwende im Haus gewohnt hatte.

Die unverheiratet gebliebene Sekretärin und Arzthelferin Amelie Hess musste die Villa jedoch schließlich im Mai 1938 unter Wert verkaufen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs war die letzte jüdische Besitzerin unter dem Druck der neuen politischen Verhältnisse zu diesem Schritt gezwungen. Noch im selben Jahr floh sie nach Zürich, wo sie noch bis 1966 lebte.

Die 1988 unter Denkmalschutz gestellte Villa blieb in den vergangenen Jahrzehnten großteils unbewohnt und war damit dem langsamen Verfall preisgegeben. Schon bald wird das gesamte Areal jedoch tiefgreifende Änderungen erfahren. Im zu sanierenden Gebäude soll unter dem Namen „Literaturhaus Vorarlberg“ zukünftig das „literatur:vorarlberg netzwerk“ eine feste Heimat finden. RAE

<p class="caption">Regine und Amelie Hess mit Iwan und Franziska Rosenthal um 1900 (v.l.). </p>

Regine und Amelie Hess mit Iwan und Franziska Rosenthal um 1900 (v.l.). 

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