starke persönlichkeiten in bewegten zeiten. Dr. Karl Drexel (1872-1954)

Ein Visionär mit großem Organisationstalent

Karl Drexel brannte für die Idee der sozialen Gerechtigkeit. Stadtarchiv dornbirn

Karl Drexel brannte für die Idee der sozialen Gerechtigkeit. Stadtarchiv dornbirn

Etliche soziale Errungenschaften gehen auf Dr. Karl Drexel zurück.

hohenems Am 21. Juli 1872 wurde Prälat Dr. Karl Drexel als Sohn der Eheleute Franz Josef und Katharina Drexel, geborene Ulmer, in Dornbirn geboren. Nach dem Tod des Vaters 1882 musste die Mutter das Geschäft in der Marktstraße verkaufen, sie zog mit der Familie nach Haselstauden, um so ihre drei talentierten Söhne studieren lassen zu können. Im gleichen Jahr reiste der kleine Karl Drexel nach Brixen, um im dortigen Cassianeum das Gymnasium zu besuchen. Nach Ablegung der Matura 1891 entschloss sich Karl Drexel, den Priesterberuf zu ergreifen. Am 16. Juli 1895 feierte Karl Drexel in der Pfarr- und Wallfahrtskirche „Maria Heimsuchung“ in Haselstauden das erste Heilige Messopfer.

Verfechter der Arbeiterrechte

Der junge Geistliche wirkte zunächst als Katechet in Hohenems. Hier rief er 1896 einen katholischen Arbeiterverein ins Leben. In den Jahren 1897 bis 1899 führte ihn ein Studienaufenthalt nach Rom. Dort erwarb er die Doktorate der Theologie und Philosophie. Bald nach seiner Rückkehr nach Dornbirn, wo er einige Jahre als Religionsprofessor an der Realschule wirkte, wurde er im Sinne der päpstlichen Enzyklika ein Kämpfer für das soziale Recht des Arbeiters und für seine politische Gleichberechtigung. Dr. Drexel sammelte die katholischen Arbeiter in den Vereinen und verlieh ihnen damit Durchschlagskraft.

1902 zog Dr. Karl Drexel als Abgeordneter in den Landtag ein, organisierte den Vorarlberger Arbeiterbund, den Bau der ersten Arbeitersiedlung sowie die Erstellung eines Arbeiterheims. 1907 zog Dr. Karl Drexel in das Parlament, in den ehemaligen Reichsrat ein. Nach dem Verlust des Vorarlberger Städtemandats im Jahr 1911 zog er in die Bundeshauptstadt und arbeitete im Statistischen Amt in Wien. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam Karl Drexel als Geistlicher zum zweiten Regiment der Tiroler Kaiserjäger. Die erschütternden Erlebnisse eines kurzen Frontaufenthalts und langjähriger Gefangenschaft schilderte er später in seinem Buch „Feldkurat in Sibirien“.

Sein unermüdlicher Einsatz zu Hause und in der Fremde fand verdiente Anerkennung: Karl Drexel wurde päpstlicher Hausprälat, erhielt das Komturkreuz des Franz-Josef-Ordens, sowie das Geistliche Verdienstkreuz l. Klasse mit Kriegsdekoration. Im Oktober 1920 kehrte Drexel aus der Gefangenschaft heim und die Vorarlberger wählten ihn wieder in den Landtag. Dieser entsandte ihn in die Bundespolitik, wo er von 1920 bis 1923 Mitglied des Bundesrates war. Befriedigung bedeutete es ihm, als 1927 das Gesetz über die „Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenenversicherung der Arbeiter und Angestellten“, um dessen Zustandekommen er sich so sehr bemüht hatte, in Kraft trat. 1933 wurde er auf Initiative von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und des Wiener Erzbischofs Theodor Kardinal Innitzer zum Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Der Antrag fand leider keine Berücksichtigung. Dr. Karl Drexel verbrachte seinen Lebensabend in Dornbirn, wo er am 14. März 1954 verschied. Sowohl in Hohenems als auch in Dornbirn erinnert die Prälat-Drexel-Straße an den großen Sozialreformer. BET

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