Blasser Mozart, prächtiger Mahler

Dirigent Andrés Orozco-Estrade überzeugte bei Dornbirn Klassik im Kulturhaus als Kenner Gustav Mahlers. Veranstalter

Dirigent Andrés Orozco-Estrade überzeugte bei Dornbirn Klassik im Kulturhaus als Kenner Gustav Mahlers. Veranstalter

5. Konzert der „Dornbirn Klassik“-Reihe mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt.

Dornbirn Es war in jeder Hinsicht ein ganz besonderes Konzert im ausverkauften Kulturhaus. Kürzlich wurde bekannt, dass der schon weltberühmte Dirigent der mittleren Generation, Andrés Orozco-Estrade, ab der Saison 2021/22 Chefdirigent der Wiener Symphoniker wird und deshalb Vorarlberg mehrfach verbunden sein wird.

Der 1977 in Kolumbien geborene und in Wien ausgebildete Musiker debütierte am Mittwoch mit seinem von ihm seit 2014/15 als Chefdirigent geleiteten hr-Sinfonieorchester Frankfurt in Vorarlberg. Er hat derzeit weitere Positionen in Houston, San Sebastian, London etc., dirigiert Weltorchester wie die Wiener und Berliner Philharmoniker, wirkt bei den Salzburger Festspielen mit usw. Und ein privater Bezug sei auch noch erwähnt: Julia, die Gattin des Weltstars, stammt aus Feldkirch. Grund genug, dass zahlreiche heimische Kulturprominenz den Saal füllte. Andrés Orozco-Estrade ist ein quirliger, temperamentvoller Maestro, mitunter ein bisschen an Leonard Bernstein erinnernd, ein Klangmagier, dem kein Einsatz, keine Stimme im riesigen Instrumentalgeflecht bei Mahlers Fünfter entgeht. Und sein hr-Orchester, ein prachtvoller Klangkörper, ist schon längst ein Herz und eine Seele mit seinem Chef. 

Mozart zu Beginn 

Zwei Werke bildeten das Programm: das Konzert für Violine und Orchester, A-Dur, KV 219, von Mozart und die Symphonie Nr. 5 in cis-Moll von Gustav Mahler (1860-1911). Der aufstrebende junge österreichische Geiger Emmanuel Tjeknavorian mit armenischen Wurzeln spielte das populäre A-Dur-Violinkonzert zu sanft und konturlos, nur „schön“. Ein reiferer Solist hätte eher zu Orozco gepasst. Nach der Pause dann das Monumentalwerk in Riesenbesetzung. Die Geburtsstunde des Mahler-Opus ohne viel Zustimmung verlief nicht zur Zufriedenheit Gustav Mahlers (UA 1904 in Köln mit ihm am Pult). Er fühlte sich vom Publikum missverstanden: „Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk, niemand capiert sie.“ Nun, auch heute noch ist die Fünfte mit ihrer „himmlischen Länge“ (Schumann über Schuberts Große C-Dur) für Orchester und Dirigent wie aber auch für das Publikum eine anspruchsvolle „Kost“.

Doch ein Mahler-Kenner wie Orozco mit seinen grandiosen Musici (auch der Vorarlberger Jürgen Ellensohn ist dabei) machten die Interpretation zu einem glanzvollen Hörgenuss, ob es die düstere Glut des Trauermarsches war oder der volkstümliche Ländlerrhythmus im Scherzo oder das durch den Film populär gewordene zärtliche „Adagietto“ mit Streichern und Harfe. Der Maestro vermittelte in den fünf Sätzen die ganze musikalische Skala von menschlichen Emotionen mit Leidenschaft und totaler geistiger und körperlicher Hingabe. sch

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