„Luschnouarisch reda“ ist weiterhin wichtig

von Josef Hagen
Beim Theater-Ensemble der „Luschnouar Bühne“ ist eines wichtig: „Ma redat luschnouarisch.“  Foto: vv

Beim Theater-Ensemble der „Luschnouar Bühne“ ist eines wichtig: „Ma redat luschnouarisch.“ Foto: vv

Mundart-Erhaltung als großes Anliegen des kürzlich verstorbenen Walter Baur.

lustenau. (ha) Unter den vielen Dialekten, die in Vorarlberg gesprochen werden, gilt   „Luschnouarisch“ als Ausreißer. Viele Mundart­ausdrücke und Sprüche gehören ausschließlich zum Wortschatz der Bevölkerung der Marktgemeinde am Rhein. Langsam, aber sicher geraten Ausdrücke in Vergessenheit.

Über 2000 Ausdrücke

Das muss nicht sein, sagte sich der im Jänner verstorbene ehemalige Volksschuldirektor Walter Baur und verfasste sein „Kleines Lustenauer Wörterbuch“ mit über 2000 Ausdrücken. „Das Büchlein soll einen Anreiz bieten, sich mit unserer Mundart zu beschäftigen, sie zu pflegen und mitzuhelfen, dass sie erhalten bleibt“, schrieb Baur in korrektem Hochdeutsch in der Einleitung. Dann aber ist es aus mit der Schriftsprache. Allerdings nicht ganz, denn sie muss für die Übersetzung herhalten. Denn wer weiß schon, dass „Agroschton­ougo“ Hühneraugen sind, und der „Aktohansar“ ein kalter Wind aus Richtung Berneck. Und es dürfte nur noch den alteingesessenen Lustenauern bekannt sein, dass ein „Hampfsomobiigar“ ein kleinlicher, pedantischer Mensch ist, der womöglich noch „hännopolitisch“, also recht durchtrieben ist.

Und einkaufen geht in Lustenau sowieso niemand, weil man „ga botta goht“. Wer dabei auf der Suche nach Bohnen ist, sollte den Unterschied zwischen  „Krüüchora“ und „Spitzöla“ kennen. Zu identifizieren sind die Lustenauer übrigens, wenn sie nicht nur die alten Ausdrücke kennen, sondern auch „Äöuli“ richtig aussprechen können.

Lustenauer Sprüche

Neben der Wörtersammlung hat sich Baur auch auf die Suche nach alten Sprüchen gemacht, um sie der Nachwelt zu erhalten. Fündig wurde er unter anderem am Jassertisch. Dass „a Buur allouo a-n-arma Maa ischt“ ist ebenso Tatsache wie die Weisheit, dass „Noochiwörfo ko Hond geän heät“.

Dass die Lustenauer auch als arbeitsames Völklein gelten, zeigen zum Teil deftige Sprüche aus der Welt der Arbeit. „Nix touo heät ko Louo“ bekommen Arbeitsscheue zu hören, die lieber nach der Devise leben „D’Arbat louft mr nid drvouo“. Wenn der Lohn bescheiden ist, tröstet man sich mit dem Spruch: „V’rdeyona tur in nünt, ab’r däis siechor“.

Der bekannte Lustenauer Heimatdichter Hannes Grabher wusste, dass in Lustenau der Rubel rollte, vor allem zu Zeiten der Stickerei-Hochblüte. „Meor z’Luschnou stond i’r Arbat enn, as wi dar Ochs im Joch, do seyt man drom nit ghet und ghio, meor hond d’Milliauna noch.“

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