Keine Schonfrist in Bregenz

Michael Ritsch wurde bei der konstituierenden Stadtvertretungssitzung zum neuen Bregenzer Bürgermeister gewählt. Nun zieht er eine erste Bilanz. VN/Hartinger

Michael Ritsch wurde bei der konstituierenden Stadtvertretungssitzung zum neuen Bregenzer Bürgermeister gewählt. Nun zieht er eine erste Bilanz. VN/Hartinger

Der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch im VN-Heimat-Gespräch über seine bisherige Amtszeit.

Bregenz Normalerweise lässt man einem Politiker, der ein neues Amt übernimmt, 100 Tage Zeit, sich in seine neue Rolle hineinzufinden. Einigen Gegenwind verspürte allerdings der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch in den ersten Wochen seiner Amtszeit.

Da Ritsch in seiner Funktion als neuer Stadtchef im Vorfeld mit allen Fraktionen gesprochen hatte, war bekannt, dass der neue Bürgermeister einige Änderungen, sowohl organisatorischer Art, als auch personell ins Auge gefasst hatte. Hier sorgte auch die Neubesetzung des Stadtamtsdirektors für Diskussionen. All das bot eine breite Angriffsfläche – aus einer 100-tägigen Schonfrist wurde nichts.

Makellose Amtsführung

Der Bregenzer Stadtamtsdirektor Klaus Feurstein ist zwar kein Beamter, wie es sein Vorgänger war, aber nach mehr als fünf Jahren in Diensten der Stadt nur mehr schwer auszuwechseln, so er sich nichts Schwerwiegendes zuschulden kommen ließ. Und das konnte man ihm keineswegs nachsagen. Seine Amtsführung war makellos. Das Problem lag auch nicht an seiner politischen Einstellung, versichert Ritsch im Gespräch mit der VN-Heimat und gibt gerne zu: „Natürlich hätte ich gerne
Reinhold Einwallner an meiner Seite gehabt.“ Seine Vizebürgermeisterin, Sandra Schoch, gibt zwar zu, dass die von Michael Ritsch gewünschten Personalveränderungen bekannt waren, betont aber, dass sie zu einer öffentlichen Ausschreibung des Dienstpostens geraten habe. Und so ist es nun ja auch gekommen.

Einigung über Ablösezahlung

Warum Michael Ritsch diese Stelle neu besetzen wollte, beantwortet er im Gespräch mit der VN-Heimat nur ausweichend. Klaus Feurstein habe wohl nicht immer eine von allen Seiten gleichgeschätzte Hand bei der Personalführung gehabt. Die kolportierte Ablösesumme für den scheidenden Stadtamtsdirektor bezeichnet Ritsch als Fantasiebilde der Opposition. „Ich habe Klaus Feuerstein natürlich angeboten, zum gleichen Gehalt einen seiner Qualifikation entsprechenden Dienstposten zu übernehmen. Schließlich hat man sich aber auf eine Ablösezahlung geeinigt, über deren Höhe wie üblich Stillschweigen vereinbart wurde.“

Auch in der Kulturabteilung gab es Veränderungen, die ehemalige ÖVP-Kultur-Stadträtin Judith Reichart ist hier die neue Chefin. „Von Mag. Jutta Dieing hat man sich natürlich einvernehmlich getrennt“, so Michael Ritsch ohne auf die näheren Umstände einzugehen. „Ich möchte mit den ins Auge gefassten personellen und organisatorischen Änderungen Ruhe in das Geschehen bringen und erreichen, dass sich die Mitarbeiter bei uns wieder wohlfühlen.“

Neue Abteilung ab 1. Jänner

Im Zuge der angekündigten Strukturreform wird es ab 1. Jänner zum ersten Mal auch eine Abteilung „Personalservice und -entwicklung“ geben. Die Leitung wurde mit Doris Pfeifer stadtintern besetzt, die schon bisher die Personalagenden federführend innehatte. Doris Pfeifer begann ihre Karriere in der Stadt vor fast 40 Jahren, 1982, in der Pressestelle der Stadt Bregenz. „Die Landeshauptstadt Bregenz ist vermutlich der einzige Betrieb Österreichs, der mit rund 660 Mitarbeitenden keine eigene Personalabteilung besitzt. Dabei sind die Beschäftigten wie anderswo auch bei uns das Herz und der Motor, um öffentliche Dienstleistungen noch bürgerfreundlicher zu gestalten“, kommentiert der Bürgermeister den Schritt, der helfen soll, aus einer Verwaltungseinheit eine Serviceeinrichtung zu machen.

Weitere Strukturreform

Die Strukturreform der Landeshauptstadt steht damit aber erst am Beginn ihrer Entwicklung. Diese sieht nämlich noch weitere Maßnahmen vor, wie z. B. die Schaffung einer neuen Abteilung „Mobilitätsservice und Stadtentwicklung“, deren Leitung bereits öffentlich ausgeschrieben wurde. Neben den vielen digitalen Angeboten der Stadt soll auch der räumliche Zugang zu Dienstleistungen im wahrsten Sinne des Wortes „niederschwellig“, nämlich im Parterre der Amtsgebäude und damit bürgerfreundlicher sein.

Erstmals Stadtteilvertreter

Erstmals in der Geschichte von Bregenz werden zudem Stadtteilvertreter aktiv, die vor Ort als direkte Ansprechpersonen für die Bevölkerung und ihre Anliegen fungieren sollen. Das Projekt von Bürgermeister Michael Ritsch wurde von allen Fraktionen unterstützt. Die Einteilung der insgesamt elf Stadtteile orientiert sich an den Kindergartensprengeln. Dem Wahlergebnis entsprechend entfallen vier davon auf die ÖVP, drei auf die SPÖ, zwei auf die Grünen und je einer auf die FPÖ und die Neos. Alle Stadtteilvertreter sind Mitglieder der gewählten Bregenzer Stadtvertretung. Fst

„Ich möchte mit den ins Auge gefassten personellen und organisatorischen Änderungen Ruhe in das Geschehen bringen.“

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