Neue Bodenseefähre erst 2021 unterwegs

Im Juli erfolgte der Stapellauf des „Rohbaus“ der neuen Bodenseefähre, die derzeit in Konstanz fertiggestellt wird und im Frühjahr 2021 in Betrieb gehen soll.  bsb

Im Juli erfolgte der Stapellauf des „Rohbaus“ der neuen Bodenseefähre, die derzeit in Konstanz fertiggestellt wird und im Frühjahr 2021 in Betrieb gehen soll.  bsb

Geplante Indienststellung verzögert sich um mehrere Monate.

Fußach, Konstanz Vor einem Jahr prägte das große weiße Zelt das Bild der Fußacher Werft. Unter dem Schutz dieser Einhausung wurde ein neues Fährschiff gebaut, das mit seinem neuartigen Antrieb neue Umweltmaßstäbe auf dem Bodensee setzen wird. Geplant war die Jungfernfahrt noch heuer, doch der Termin verzögert sich.

Zum Teil coronabedingt

„Beim Bau der Fähre kam es zu Verzögerungen, unter anderem durch die Coronapandemie“, erläutert Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz, die das neue Fährschiff in Auftrag gegeben hat.

Gestartet wurde das Projekt in Fußach, der einzigen Bodenseewerft, auf der solch große Schiffe Platz finden. Das mit einer Länge von mehr als 80 Metern längste Schiff auf dem Bodensee sieht äußerlich genau so aus wie die 2009 vom Stapel gelaufene „Lodi“. Unterschiedlich ist jedoch der Antrieb: Während die „Lodi“ von Dieselmotoren angetrieben wird, sind im neuen Fährschiff erstmals in der Binnenschifffahrt Gasmotoren installiert. Mit der neuen Fähre wollen die Stadtwerke Konstanz als Betreiber des Schiffs, das zwischen Meersburg und Konstanz eingesetzt wird, neue Maßstäbe hinsichtlich Umweltfreundlichkeit setzen. Die Gasmotoren haben im Vergleich zum gebräuchlichen Dieselantrieb dank LNG (Liquefied Natural Gas – flüssiges Erdgas) einen viel geringeren Schadstoffausstoß.

Fertigstellung in Konstanz

Mit rund drei Monaten Verspätung wurde der Rohbau der neuen Fähre Anfang Juli von Fußach nach Kons­tanz geschleppt. Jetzt stehen im Fährhafen Konstanz der Aufbau und die Motorisierung durch die Werft an. Auch diese Arbeiten haben sich wegen Corona verzögert, sodass mit den Probefahrten erst im Frühjahr 2021 gerechnet werden kann, so Siebler.

Sind diese Probefahrten erfolgreich, kann das Schiff auf der Fährverbindung eingesetzt werden. Die neue Fähre wird dann die 1970 in Dienst gestellte „Fontainebleau“ ersetzen.

Noch ein Museumsschiff?

Was mit dem Schiff geschehen wird, ist offen. Die Optionen reichen von einer Verschrottung über eine Umgestaltung zu einer gastronomischen Einrichtung. Wie in Lochau, auch dort wurde ein ausgemustertes Fährschiff zum Restaurant umfunktioniert. Das Fährschiff Konstanz, mit dem 1928 der Fährbetrieb auf dem Bodensee aufgenommen wurde, gilt als erste Binnenfähre Europas und wurde 2011 originalgetreu restauriert wieder in Dienst gestellt. Der Oldtimer wird einerseits als Restaurant im Konstanzer Hafen genützt, wird aber auch für Eventfahrten gebucht.

Fähren entlasten Umwelt

Autofähren entlasten Straßen rund um den See massiv. Allein zwischen Meersburg und Konstanz werden jährlich vier Millionen Passagiere und 1,5 Millionen Fahrzeuge transportiert. Fahrzeit auf dem See rund 15 Minuten (auf der Straße für rund 55 km etwa eine Stunde). Durch das Übersetzen mit den Fähren werden pro Jahr allein zwischen Meersburg und Konstanz über 80 Millionen Fahrzeug-Kilometer vermieden. STP

500 Jahre alte Tradition

Fährverkehr gab es auf dem Bodensee aber schon vor Jahrhunderten. Mit dem Lindauer Boten ist 1788 auch Johann Wolfgang von Goethe gereist. Von Lindau nach Mailand war die Kutsche fünf Tage unterwegs – die ersten Kilometer legte sie auf einer „Fähre“ von Lindau nach Fußach zurück. Die Anfänge des Lindauer Botens datieren manche Quellen ins Jahr 1322, „professionell“ wurde der Betrieb 1474, als die Familien Spehler und Vis (Weiss) von der Stadt Lindau den Auftrag zum Betrieb des Lindauer Botens erhielten. In der Firmengeschichte der Gebrüder Weiss wird die Übernahme des Botendienstes als Gründungsjahr angeführt. Spehler und Vis betrieben den „Boten“ auf privater Basis bis zur Verstaatlichung 1826. Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahnlinien aus allen Richtungen den Bodensee erreichten, entstand der Trajektverkehr, bei dem Eisenbahnwaggons von Schiffen oder gezogenen Lastkähnen über den See transportiert wurden. Von Bregenz aus führten ab 1884 Linien nach Friedrichshafen, nach Romanshorn und Kons­tanz. Zwischen Romanshorn und Friedrichshafen wurden ab 1869 Eisenbahnwaggons bis 1939 transportiert, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb ab 1949 wieder aufgenommen und bis zur Einstellung 1976 wurden 663.232 Güterwagen über den Bodensee transportiert.

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