VN-Interview. Viktor Mangeng (27), Bildhauer

Mit Motorsäge und Feile künstlerisch tätig

Bildhauer Viktor Mangeng zeichnet für die neu entstandenden Skulpturen, wie das hölzerne Einhorn, vor dem Fohrencenter verantwortlich.  CM

Bildhauer Viktor Mangeng zeichnet für die neu entstandenden Skulpturen, wie das hölzerne Einhorn, vor dem Fohrencenter verantwortlich.  CM

Bildhauer Victor Mangeng über seinen Werdegang und seine Kunst.

Bludenz Drei alte hohe Bäume bestimmten seit vielen Jahren die Außenansicht des Fohrencenters. Die Stämme waren über die Jahrzehnte hohl und die Baumkronen, die weit über das Dach ragten, zu wuchtig geworden. Die Lösung des Problems: aus den grünen Wächtern entstanden extravagante Skulpturen, entworfen und geschnitzt von Bildhauer Victor Mangeng.

 

Für die meisten Menschen ist ein Baumstamm einfach ein riesiges Stück Holz. Sie hingegen sehen darin viele künstlerische Möglichkeiten. Wie kommt das?

Mangeng Ich habe die kreative Ader wahrscheinlich von meinem Opa geerbt. Er hat nämlich auch immer gerne geschnitzt. Durch Schleifen, Raspeln, Schnitzen und andere Techniken entstehen verschiedenste Strukturen im Holz, die kein anderes Material in dieser Form anbietet. Das hat mich begeistert und so begann ich im Alter von 18 Jahren die Zimmermannslehre. Nebenher experimentierte ich mit Holz jeder Art, vorerst ausschließlich auf der Drechselbank.

 

Wie kam es zum Wechsel von der Drechselbank zur Motorsäge?

Mangeng Das war ein logischer Schritt. Aus Holzstämmen begann ich riesige Tikis herzustellen. Das hat mir richtig viel Freude gemacht und es war klar, dass ich mich auf diesem Weg weiterbilden möchte.

 

Der Weg in die Schnitzschule Elbigenalp schien vorgezeichnet. Zeitgleich machten Sie sich selbstständig. Wie kam es dazu?

Mangeng In der Schule erlernte ich das Handwerk von Grund auf, in all seinen Facetten. Als Zimmermann hatte ich den Vorteil, dass ich die Maschinen schon kannte, alles andere war auch für mich unbekanntes Terrain und spannend. Meine Zimmermannszeit war beendet, etwas ganz Neues begann. Also wurde ich selbstständig. Anfangs schnitzte ich auf fünf Quadratmetern, mittlerweile sind es fast 200. Jedes Jahr baute ich die Räume im Wagenweg 28 in Schruns um. Das Umbauen ist auch so ein Erbe von meinem Opa (schmunzelt). Im Atelier entstehen die Pläne zu meinen Werken, hier arbeite und entwerfe ich.

 

Als Bildhauer ist es Ihnen ganz wichtig, dass man Ihre Arbeit nicht auf das Schnitzen reduziert. Worin unterscheiden sich denn Bildhauer und Schnitzer?

Mangeng Ein Schnitzer kopiert, während ein Bildhauer eigene Entwürfe umsetzt. Also wenn ein Laie zu mir sagt: „Da kommt der Schnitzer“, dann fühle ich mich gar nicht angesprochen. Für mich ist der Unterschied insofern sehr wichtig, da ich mich als Bildhauer selbst verwirklichen kann und das Schnitzen als Handwerk anwende.

 

Kann man davon in Vorarlberg seinen Lebensunterhalt bestreiten?

Mangeng Ja, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Ich fertige meine Werke für Ausstellungen oder öffentliche Plätze an, oft sind es auch Auftragsarbeiten, wie die Skulpturen für das Fohrencenter. Für uns Künstler ist die größte Herausforderung die Nicht-Planbarkeit, da es keinen fixen monatlichen Gehalt gibt. Nächstes Jahr beginne ich voraussichtlich ein Kunststudium in Wien. Ganz einfach um mich weiterzuentwickeln und mein Repertoire zu vergrößern.

 

Sie organisieren auch Kurse und Workshops. Worum geht es Ihnen?

Mangeng Naja, ich bin in meinem Atelier viel alleine. Da sind die Kurse eine willkommene Abwechslung, um wieder mehr mit Menschen in Kontakt zu kommen. Andererseits kann ich so mein Wissen über altes Handwerk weitergeben und das macht mir Spaß. Der nächste Workshop rund um die Bildhauerei und das Schnitzen findet am 17. August in meinem Atelier statt. CM

Zur Person

Victor Mangeng

Geboren 17. April 1991

Beruf selbständiger Bildhauer

Familie ledig

Hobbys: Klettern, Zeichnen, Reisen

Workshops: Nähere Infos und Anmeldungen unter www.victor-mangeng.at

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